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Energieerzeugung : Der große Kampf um die Wasserstoff-Heizung

Am Prüfstand einer Fertigungslinie für Gas-Wandgeräte Bild: Joerg Hempel

Strom aus erneuerbaren Energiequellen ist die Zukunft. Dabei helfen wird auch diese Technologie.

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          An der Brennstoffzelle scheiden sich die Geister. Auf der gerade zu Ende gegangenen Internationalen Fachmesse für Sanitär- und Heizungstechnik ISH in Frankfurt marschieren fast alle Hersteller im Gleichschritt. Heizungen funktionieren fast alle nach der Brennwerttechnik, welche die alte und energiefressende Heizwerttechnik abgelöst hat. Alle Hersteller haben aber auch energieeffizientere Heizungen wie die Kraft-Wärme-Kopplung (Blockheizkraftwerk) oder Verbindungen aus Brennwerttechnik und Sonnenenergie oder Biomasse-Heizungen. Alle bieten die Heizungen inzwischen mit elektronischer mobiler Steuerung an. Jeder Heizungshersteller versucht Hauseigentümer auf seine Internetseite zu locken. Wer bei Google das Stichwort Heizung eingibt, kommt zunächst auf Viessmann-Seiten (heizung.de), dann auf solche des Herstellers Vaillant (heizungonline.vaillant.de), aber auch auf herstellerunabhängige Seiten. Bosch (Marken Bosch, Junkers, Buderus) versichert zwar auf der Messe, als einziger Hersteller die digitale Ansprache der Kunden zu leben, taucht im Internet aber eher auf den hinteren Rängen auf. Aber alle wollen Kunden zu ihren Vertragshandwerkern führen, und alle wollen das Handwerk elektronisch bei der Kundenbetreuung und der Wartung der Heizungen unterstützen.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          In einem Punkt aber gibt es große Unterschiede in der Heizungsindustrie. Welche Rolle spielt in Zukunft die Brennstoffzelle, also die Wasserstofftechnik? Die Technik ist nicht neu. Sie funktioniert nach der umgekehrten – aus dem Physikunterricht bekannten – Elektrolyse: Während im physikalischen Experiment durch Hinzugabe von Strom Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird, macht die Brennstoffzelle das Gegenteil. Sie fügt Wasserstoff und Sauerstoff so zusammen, dass der Strom wieder zurückgewonnen wird. Die Technik ist die umweltfreundlichste Energiegewinnung. Aber noch ist sie teuer. Daher hat Vaillant auf der Messe bekanntgegeben, sich aus der Brennstoffzellentechnik zurückzuziehen. Bosch biete sie weiter an, werde sie aber nicht weiterentwickeln. Nur das Familienunternehmen Viessmann (2,25 Milliarden Euro Umsatz) setzt auf diese Technik. „Wir messen der Brennstoffzellentechnik eine große Zukunft bei“, versichert Joachim Janssen, Vorsitzender der Geschäftsführung von Viessmann.

          Die Energiewende hin zu regenerativen Energien sei nur zu schaffen, wenn die schwankende Verfügbarkeit von Sonne und Wind ausgeglichen werden kann. Dafür gebe es mehrere Möglichkeiten: Batterien, die Speicherung von Strom in Form von Gas – oder die Brennstoffzelle. Die Speicherung als Gas (Power to Gas) ist mit hohen Energieverlusten verbunden, die je nach Interessenlage des Experten zwischen 25 und 80 Prozent veranschlagt werden. Die Batteriehersteller entwickeln ständig neue Batterien, kämpfen jedoch neben dem Energieverlust immer auch noch mit der geringen Speicherkapazität.

          Von neuer Technik überzeugen

          Daher könnte der Wasserstofftechnik eine große Bedeutung zukommen bei der Überbrückung jener Zeiten, in denen weder Sonnen- noch Windenergie zur Verfügung steht. Viessmann steht mit seiner Ansicht nicht allein. Auch das von der Berliner HPS Home Power Solutions GmbH auf der Messe gezeigte „weltweit erste Kompaktgerät zur ganzjährigen Stromversorgung aus der eigenen Solaranlage“ basiert auf der Speicherung des Stroms in Form von Wasserstoff. Wenn die Sonne scheint und der Wind weht, wird mit dem nicht gebrauchten Strom Wasser in Wasser- und Sauerstoff zerlegt. Ist der Himmel grau und windstill, wird dieser Wasserstoff wieder mit Sauerstoff verbunden (chemisch verbrannt, daher Brennstoffzelle) und gibt Strom frei. Um die Verbreitung in Deutschland zu erhöhen, arbeitet Viessmann an der Hochtemperatur-Brennstoffzelle. Sie hat den Vorteil, ohne Edelmetallkatalysatoren auszukommen.

          Allen Entwicklungen gemeinsam ist, den Verbraucher zu überzeugen, seine alte Heizung (oft noch Heizwerttechnik mit geringer Energieausnutzung) durch eine neue Technik zu ersetzen. „Der Modernisierungsstau im Wärmemarkt konnte bisher nicht aufgelöst werden“, sagt Janssen. Ganz im Gegenteil: Im vergangenen Jahr ist die Austauschrate alter Heizungen sogar gesunken. In Deutschland werden etwa 650.000 Heizungen im Jahr neu eingebaut oder ausgetauscht. Das ist nach Ansicht der Experten viel zu wenig, wenn Deutschland die Energie- und Klimaschutzziele erreichen will.

          Einige Hersteller gleichen den stagnierenden deutschen Markt mit guten Auslandsgeschäften aus. China ist ein guter Abnehmer. Dort will man wegen der Feinstaubbelastung weg von der Kohle und hin zu Gasheizungen. Bosch Thermotechnik (3,3 Milliarden Umsatz mit den Marken Bosch, Junkers und Buderus) hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz in China um 40 Prozent gesteigert. Große Erwartungen verbindet Bosch mit Iran, dem man zutraut, in den kommenden Jahren zu den fünf größten Heizungsmärkten der Welt aufzuschließen.

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