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Auslieferungen ab September? : Washington plaziert nächsten Impfstoff-Großauftrag in Europa

Eine Probandin lässt sich in einem Test einen von Forschern der Universität Oxford entwickelten Impfstoff-Kandidaten spritzen. Bild: AP

Mit einer Milliarde Dollar fördert die amerikanische Behörde Barda ein britisches Corona-Impfstoff-Projekt. Die ersten Auslieferungen sollen schon bald beginnen. Erste klinische Tests laufen.

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          Der britische Pharmakonzern Astra-Zeneca hat erste Großbestellungen für den von ihm und der Universität Oxford entwickelten Impfstoff gegen das Coronavirus. Allein die amerikanische Behörde Barda (Biomedical Advanced Research and Development Authority) gibt eine Milliarde Dollar (900 Millionen Euro), um die Entwicklung voranzutreiben. Durch diese und weitere Aufträge seien nun Bestellungen für mindestens 400 Millionen Impfdosen abgeschlossen, teilte Astra-Zeneca am Donnerstag mit. Die ersten Auslieferungen sollten schon im September 2020 beginnen. Ziel sei eine Produktionskapazität von einer Milliarde Impfdosen im Jahr.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Vor kurzem hat die britische Regierung Astra-Zeneca und den Oxford-Forschern 65 Millionen Pfund (74 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt, um die Impfstoffentwicklung zu fördern. Dafür soll das Vereinigte Königreich die erste Tranche von 30 Millionen Impfdosen erhalten.

          Wettlauf um den Impfstoff

          An der Universität Oxford haben Mediziner einen sogenannten Vektorviren-Impfstoff entwickelt, der seit April an mehr als tausend gesunden Freiwilligen klinisch getestet wird. Die Daten der Test-Phasen eins und zwei werden in Kürze erwartet. „Astra-Zeneca erkennt an, dass die Impfung vielleicht nicht wirksam sein wird, aber es bekennt sich dazu, das klinische Programm schnell fortzuführen und die Produktion im Risiko auszuweiten“, schrieb das in Cambridge ansässige Unternehmen. Falls die ersten Tests erfolgreich sind, sollen in einer dritten Phase Tests mit 30.000 Probanden in verschiedenen Ländern stattfinden, teilte Astra-Zeneca. Der Konzern hat für die Dauer der Pandemie eine Non-Profit-Partnerschaft mit Oxford geschlossen.

          Professor Adrian Hioll des „The Jenner Institute“ in Oxford arbeitet gemeinsam mit Astra-Zeneca an der Erforschung des Impfstoffes.

          Astra-Zeneca stehe auch mit der Weltgesundheitsbehörde (WHO) sowie vielen Regierungen, auch mit Indien, in Gesprächen. Vorstandschef Pascal Soriot nannte die Corona-Pandemie eine „globale Tragödie“. Er dankte der amerikanischen und der britischen Regierung und versprach, alles Mögliche zu tun, um den Impfstoff so schnell und so breit wie möglich verfügbar zu machen.

          Auf der ganzen Welt ist ein Wettlauf mit mehr als 130 Forschungsprogrammen um die erste wirksame Impfung im Gange. Amerikas Regierung steckt Milliarden in die schnelle Entwicklung eines Impfstoffes. Auch in China laufen mehrere Projekte. London hat der globalen Impfstoff-Allianz „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“ (CEPI) 250 Millionen Pfund zugesagt, laut eigenen Angaben die größte Beteiligung eines Landes. In Deutschland arbeiten das Tübinger Biopharma-Unternehmen Curevac und sieben weitere Unternehmen und Forschungseinrichtungen an einem Corona-Impfstoff.

          Die Zielmarken für die Produktion sind hoch. Von einer Milliarde Impfdosen sprechen nicht nur Astra-Zeneca, sondern auch der französische Konzern Sanofi sowie Janssen, die belgische Tochtergesellschaft des amerikanischen Konzerns Johnson & Johnson, der britische Pharmakonzern Glaxo-Smith-Kline und das amerikanische Biotech-Unternehmen Moderna und sein Schweizer Partner Lonza.

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