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Analyse : Zehn Mythen zur Rente

Die Vermutung, es werde alles immer schlimmer, trifft auf die Rente sowieso nicht zu. Die größten Schwierigkeiten wird die staatliche Altersvorsorge in den Jahren um 2030 haben, wenn die geburtenstärksten Jahrgänge aus dem Arbeitsleben scheiden. Danach verliert die Entwicklung ein wenig von ihrer Dramatik, weil weniger Menschen in die Rente nachrücken und sich die Zahl der Beitragszahler auf niedrigerem Niveau stabilisiert. Das drückt sich auch in den Prognosen der Bundesregierung aus. Während das Rentenniveau von 2016 bis 2030 deutlich sinkt, von 47,8 auf rund 43 Prozent, wird es bis 2045 nur noch geringfügig zurückgehen, auf 41,6 Prozent. Von einer dramatischen Rentenkürzung kann dann ohnehin nicht mehr die Rede sein.

9. Die Einwanderer lösen alle Probleme

Eines steht fest: Einwanderung hilft, die Sozialkassen zukunftsfest zu machen. Auch geringer qualifiziere Neuankömmlinge können dazu beitragen, wenn sie zum Beispiel Alte pflegen, im Biergarten kellnern oder auf dem Bau arbeiten. Das gilt vor allem, wenn sie relativ jung ins Land kommen. Dann können sie noch lange genug in die Rentenkasse einzahlen, selbst wenn die Integration lange dauert und den Staat zunächst Geld kostet. Gerade in der Zeit um das Jahr 2030, wenn die Babyboomer in Rente gehen, kann das die Rentenkasse deutlich entlasten.

Allerdings ist der Effekt nur vorübergehend. Schließlich werden auch die Neuankömmlinge älter und beziehen irgendwann Rente. Trügerisch ist auch die Vermutung, dass sie mehr Kinder bekommen und dadurch das Sozialsystem stabilisieren: Je schneller sie sich integrieren, desto rascher geht die Kinderzahl auf das Niveau einheimischer Familien zurück. Der Nutzen von Einwanderung reicht nicht aus, um Rentenreformen überflüssig zu machen.

10. Dem Osten geht es schlechter

Jahrelang haben ostdeutsche Politiker gejammert: Die Alten zwischen Ostsee und Erzgebirge bekommen weniger Rente. Jetzt, wo es mit einer Angleichung ernst werden soll, merken sie: Das stimmt so gar nicht. Wahr daran ist, dass für jedes angesammelte Beitragsjahr sechs Prozent weniger Altersbezüge ausbezahlt werden als im Westen – weil auch die Löhne im Osten noch immer deutlich niedriger sind.

Dafür werden aber die Beiträge, die ostdeutsche Beschäftigte in die Rentenversicherung einzahlen, künstlich aufgewertet. Sie erhalten dafür also mehr Rentenpunkte und später irgendwann mehr Rente. Unter dem Strich fällt die höhere Gewichtung der Beiträge stärker ins Gewicht als der Abschlag bei der Rente. Außerdem haben zu DDR-Zeiten viel mehr Frauen gearbeitet als im Westen, Zeiten von Arbeitslosigkeit waren offiziell unbekannt.

Auch deshalb zählen Rentner in der ostdeutschen Provinz vielerorts zum wohlhabenderen Teil der Bevölkerung. Grund zur Klage haben gerade die älteren Jahrgänge kaum. Und gerade sie würden von einem Wegfall der Abschläge am meisten profitieren. Deshalb würde das für die Rentenkasse kurzfristig teurer, langfristig aber billiger. Den Jüngeren hingegen bringt eine Angleichung mehr Nachteile, weil sie auf die Höherwertung ihrer Beitragspunkt künftig verzichten müssten.

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