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CDU-Wirtschaftsrat : Info-Plattform gefordert: Wer kriegt wie viel Rente?

Rentner in Deutschland: Nicht alle wissen, was ihnen im Alter zusteht. Bild: dpa

Alle Bürger sollten sich in Zukunft auf einer Plattform über ihre Rentenansprüche informieren können, fordert ein neues Gutachten. Denn viele Deutsche wissen gar nicht, welche Möglichkeiten sie hätten.

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          Für einen Ausbau der ergänzenden Altersvorsorge neben der gesetzlichen Rente sollte die Bundesregierung weniger auf weitere steuerliche Anreize setzen, als vielmehr auf eine bessere Information der Versicherten. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das die Beratungsgesellschaft PWC für den CDU-Wirtschaftsrat angefertigt hat und das der F.A.Z. vorliegt. Es rät zur Einführung eines Informationssystems, das den Versicherten anhand standardisierter Berechnungsmethoden einen Gesamtüberblick über erworbene Ansprüche aus Rente und Zusatzvorsorge verschafft.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Deutschland benötigt dringend eine unabhängige datensichere Informationsplattform, mit der jeder Bürger seine individuelle Altersvorsorge aus staatlicher Rente und individueller Vorsorge leicht verständlich und verlässlich überschauen kann“, fasst PWC-Vorstandssprecher Norbert Winkeljohann die Untersuchung zusammen. Der Generalsekretär des Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, macht sich für eine rasche Umsetzung stark. „Die Politik muss dafür die gesetzlichen Voraussetzungen schaffen und die Einführung ermöglichen“, sagte Steiger. Er hat das Gutachten schon zur weiteren politischen Beratung an Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) geschickt.

          Der Weg einer stärkeren Zulagenförderung

          Neben der von CSU und SPD losgetretenen Diskussion über ein höheres gesetzliches Rentenniveau bereitet die Regierung gerade eine Reform der betrieblichen Altersversorgung vor. Sie soll vor allem kleinere Unternehmen dazu bringen, dass sie ihren Beschäftigten häufiger als bisher von sich aus eine Betriebsrente anbieten. Zum anderen soll sie die Beschäftigten, vor allem jene mit kleineren Einkommen, stärker für eine solche Zusatzvorsorge interessieren. Neben einer Zulagenförderung nach Art der Riester-Rente ist auch eine Lockerung der Obergrenze für steuer- und beitragsfreie Entgeltumwandlungen zugunsten der Betriebsrente im Gespräch.

          Laut Gutachten stammen derzeit zwei Drittel aller Altersbezüge in Deutschland aus der gesetzlichen Rente, aber nur 9 Prozent aus der privaten und 8 Prozent aus der betrieblichen Vorsorge. Von den Betriebsrenten wiederum komme der größte Teil aus rein arbeitgeberfinanzierten Systemen. Nur ein Drittel der Beschäftigten nutze den jedem zustehenden Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung zugunsten einer Zusatzvorsorge; von ihnen wiederum schöpften nur 5 Prozent den Anspruch voll aus.

          Deshalb und angesichts insgesamt mangelnder Transparenz seien „Maßnahmen zur Erweiterung des steuerlichen Förderrahmens oder des vorhandenen Produktangebots sicherlich wenig sinnvoll“, heißt es in dem Gutachten. Viel wichtiger sei es, jedem Bürger „eine säulenübergreifende produktneutrale Information“ zu ermöglichen. Den Weg einer stärkeren Zulagenförderung, die gezielt Geringverdienern mehr Vorsorgespielraum verschaffen soll, bemängelt das Gutachten jedoch nicht.

          „Ein absolut notwendiger Reformbaustein“

          Bisher verschickt zwar die gesetzliche Rentenversicherung jährlich eine Renteninformation, wie auch private Versicherer Standmitteilungen liefern. Diese lassen sich aber nur schwer zu einem individuellen Gesamtbild verknüpfen. Für verschiedene Varianten eines standardisierten Informationssystems machen sich auch schon die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg und die FDP stark.

          „Die Sicherheit der Daten ist kein Hinderungsgrund, weil das System den hohen deutschen Datenschutzstandards entsprechen wird“, versichert Steiger, der im Nebenamt Beiratsvorsitzender der „Deutschen Renteninformation“ ist, einer aus Wissenschaft und Politik unterstützten Initiative für Transparenz der Alterssicherung. Auch deren Vorstandsvorsitzender, der Frankfurter Ökonom Andreas Hackethal, rät der großen Koalition, diesen Ansatz stärker in den Blick zu nehmen: Das neue Gutachten belege, dass ein leicht verständlicher Rentenüberblick „ein absolut notwendiger Reformbaustein“ sei.

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