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Kommentar : Der Königsweg zu einer höheren Rente

  • -Aktualisiert am

Aktien sind die langfristig rentierlichste Form der Geldanlage und ideal geeignet für die ebenfalls langfristig orientierte Altersvorsorge. Bild: dpa

Altersarmut, Riester-Rente, Rentenalter: Deutschland diskutiert die Vorsorge fürs Alter. Eine prima Möglichkeit ist hierzulande unbeliebt. Leider.

          Der Weg zu höheren Renten muss die Steuer- und Beitragszahler keine weiteren Milliarden kosten. Er ist durch ganz einfache gesetzliche Änderungen zu haben. Einige zehntausend Euro kann dies jedem Sparer bringen. Die staatlich geförderten Altersvorsorgesysteme, ob Riester oder betriebliche Vorsorge, müssten nur von der Pflicht zur Kapitalgarantie befreit werden.

          Denn diese gefühlte Sicherheit ist in der aktuellen Niedrigzinsphase sehr teuer. Lebensversicherer und Riester-Anbieter müssen fast die gesamten Beiträge ihrer Kunden nur für die Kapitalgarantie verwenden. Der eigentliche Sinn eines kapitalgedeckten Standbeins der Rente wird damit verfehlt, nämlich das Kapital bestmöglich an den Finanzmärkten zu mehren.

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          Von eingezahlten 50 Euro, so hat es die Frankfurt School of Finance&Management errechnet, müssen bei einer 25 Jahre alten Frau derzeit 33 Euro in kaum noch rentierliche Bundesanleihen gesteckt werden, um ihr bei Renteneintritt in 42 Jahren die 50 Euro auch garantiert wieder auszahlen zu können. Vor wenigen Jahren waren dazu bei höheren Kapitalmarktzinsen nur 6,44 Euro nötig. Der Spielraum zur freien Kapitalanlage hat sich damit drastisch eingeschränkt.

          Die Politik sollte den Anbietern den Freiraum wieder verschaffen, denn die Kosten der Kapitalgarantie sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld kaum mehr zu verantworten. Befreit von der Garantie, könnten die Sparraten der Anleger flexibel in Aktien investiert werden. Sie sind die langfristig rentierlichste Form der Geldanlage und ideal geeignet für die ebenfalls langfristig orientierte Altersvorsorge. Es gibt in der Historie keinen Zeitraum von zwanzig Jahren, in dem ein breit gestreuter Aktienkorb deutscher Titel einen Verlust erbracht hätte.

          Würde die junge Frau 42 Jahre lang einen Sparplan jeden Monat mit 50 Euro füttern und würde das Geld in Aktien zu einer historisch üblichen Rendite von gut 8 Prozent angelegt, käme sie bei Renteneintritt auf 230.000 Euro. In einem Vertrag mit Kapitalgarantie und dauerhaft niedrigen Zinsen verfügte sie am Ende aber nur über 90.000 Euro. Die Garantie, ihre über die Jahre eingezahlten 25.200 Euro auf jeden Fall wiederzubekommen hat sie damit 140.000 Euro gekostet. In einem Szenario wieder deutlich steigender Zinsen bleiben immer noch Kosten von etwa 60.000 Euro.

          Der Nutzen der teuren Sicherheit ist dabei höchst fraglich. Selbst scharfe Einbrüche am Aktienmarkt waren immer innerhalb weniger Jahre wieder aufgeholt. Gerade bei Sparverträgen für das Alter mit Laufzeiten von vielen Jahren ist das Verlustrisiko verschwindend gering. Dazu müsste schon das globale Wirtschaftssystem in seinen Grundfesten ins Wanken geraten.

          Auch ist eine Aktienquote von 100 Prozent ein Extrembeispiel. Doch zwischen dem derzeitigen Extrem einer fast ausschließlich auf Kapitalerhalt fokussierten Altersvorsorge und einem rein aktienbasierten Ansatz gibt es genug Mittelwege, die dem Anleger eine deutliche Verbesserung zum Status quo bieten.

          Schweden hat schon lange eine verpflichtende kapitalgedeckte Rente eingeführt. Ein Teil der Beiträge zum umlagefinanzierten Rentensystem werden in Aktienfonds angelegt. Die dürfen die Einzahler selbst auswählen und auch den Anlagestil bestimmen, ob konservativ oder mutig. An der Aktienanlage kommen sie aber nicht vorbei. Die aktuell diskutierte Deutschland-Rente geht in eine ähnliche Richtung. Die Aktienquote der Altersvorsorge liegt dadurch in Schweden bei 57 Prozent, in vielen anderen Ländern nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts zwischen 30 und 60 Prozent. Die Bafin nennt für deutsche Pensionskassen eine Aktienquote von 7 Prozent.

          Ein stärkeres Engagement in Aktien steht den Deutschen aber auch unabhängig von den Regelungen für Riester und betrieblicher Altersvorsorge schon immer frei. Gerade monatliche Sparpläne in global orientierte Aktienindexfonds erfüllen alle Kriterien einer guten Altersvorsorge: Sie streuen das Vermögen breit über viele Aktien zu günstigen Kosten.

          Ein Nebeneffekt des stärkeren Aktiensparens der Deutschen wäre neben dem Vermögens- und Rentenzuwachs eine wirtschaftlich mündigere Bürgerschaft. Ein Aktionär ist Miteigentümer eines Unternehmens. Er kann direkt auf die Geschicke des Unternehmens Einfluss nehmen und dürfte daher auch mit mehr Interesse die Entwicklung von Unternehmen und Wirtschaft verfolgen.

          Nun mag eine einzelne Aktie nicht viel ausrichten. Die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors hat aber einmal ausgerechnet, wenn alle deutschen Erwerbstätigen von 1992 bis 2014 monatlich 50 Euro in Aktien gespart hätten, würden ihnen rein rechnerisch alle 30 Unternehmen im Dax komplett gehören. Da die Deutschen jedoch Aktienmuffel sind und mehrheitlich ohne jede eigene Aktienerfahrung vorurteilsbeladen die Geldanlage in Aktien rundweg ablehnen, bestimmen über das Wohl und Wehe der börsennotierten Unternehmen hierzulande mehrheitlich ausländische Aktionäre. Sie ernten auch in Form von Dividenden und Kursgewinnen die Früchte der Arbeit in diesen Unternehmen. Hierzulande wird lieber noch mehr Steuergeld zur Stützung der Rentenkassen ausgegeben, anstatt den Königsweg zu mehr Rente zu beschreiten.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

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