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Neue Corona-Beschränkungen : Was wird aus dem Sommerurlaub?

Urlauber am Strand von Hurghada (Ägypten) im Jahr 2016: Wie wird es in diesem Sommer aussehen? Bild: dpa

Die EU-Staaten haben neue Reisebeschränkungen beschlossen, „unnötige Reisen“ sind unerwünscht. Die Mehrheit der Deutschen hat Auslandsreisen zu Ostern ohnehin schon abgeschrieben. Für den Sommer fordern Reiseanbieter und Hotels nun Vorgaben für eine Öffnung.

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          Vor der großen Reisefreiheit steht erstmal die weitere Begrenzung. Die Staats- und Regierungschefs in der EU haben am späten Donnerstagabend vereinbart, dass nicht-notwendige Reisen eingeschränkt werden sollen. Die Mehrheit der Deutschen hat ohnehin schon abgeschrieben, dass sie rund um Ostern ins Ausland düsen dürfen. 79 Prozent der Befragten gaben in einer Untersuchung der Meinungsforscher von Yougov an, dass sie sich schon auf fortdauernde Beschränkungen Anfang April einrichten. Nur 12 Prozent sind der sicheren Ansicht, dass sie dann schon einstige Unbeschwertheit für Ferien zurückbekommen haben.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch rund um den Sommerurlaub ranken sich Sorgen. Zwar ist in Deutschland zuletzt die Zahl der Neuinfektionen gesunken, für Beunruhigung sorgt aber, dass sich anderswo mutierte Virusvarianten stark verbreiten. Ebenso unsicher ist, ob Reiseziele eine Impfung zur Auflage machen, die bis zum Urlaubszeitpunkt eventuell noch nicht zu bekommen ist. Kurzfristige Folge: Die von der Urlaubsbranche und Marktforschern beschworene große Reiselust der Deutschen schlägt sich kaum in steigenden Buchungszahlen nieder. In Reisebüros und auf Online-Portalen ist unverändert Tristesse angesagt.

          Die für Anfang März geplante Reisemesse ITB in Berlin fällt als eine der ersten großen Branchenschauen zum zweiten Mal flach – sie wird durch einen Online-Kongress ersetzt. Zusammen mit dem Datendienstleister Statista legte die Messe nun eine Branchenprognose vor, die Hoffnung machen soll.

          Rekorde für 2025?

          2023 werden demnach die globalen Umsätze im Tourismus das Vorkrisenniveau von 654 Milliarden Euro übertreffen, 2025 schon stattliche 23 Prozent darüber liegen. Für 2021 wird allerdings nur etwas mehr als die Hälfte des Vorkrisengeschäfts erwartet. Der Deutsche Reiseverband rechnet damit, dass nach dem aktuellen Stillstand in diesem Jahr noch 60 Prozent des Geschäfts aus dem Vorkrisenjahr mit Kunden aus der Bundesrepublik möglich sind. 2020 waren 20 Prozent geblieben.

          Wirtschaftlich wären Buchungen – auch für Urlaube, die erst in einem halben Jahr angetreten werden – für Touristiker eine große Hilfe. Denn wer bucht, leistet auch eine Anzahlung, es käme Geld in die Kasse. Aktuell hütet die Branche einen Grundstock an Buchungen, die aber auch dadurch entstanden sind, dass 2020 Daheimgebliebene ihre Guthaben und Gutscheine für dieses Jahr verwenden möchten. Neue Einnahmen brachte das den Unternehmen nicht, das Geld hatten sie schon im vergangenen Frühjahr erhalten. Dass der Bund bei Überbrückungshilfen abermals nachbessert und die Insolvenzantragspflicht weiter aussetzt, begrüßen Tourismusverbände. Für Kunden ist das aber auch ein Signal, wie angespannt die wirtschaftliche Lage zahlreicher Unternehmen ist. Sie wollen früh zu zahlendes Geld nicht schlimmstenfalls verloren geben.

          Inlandsziele wollen profitieren

          Nun sollen in der EU Test- und Quarantänepflichten ausgedehnt werden, wie die Staaten nun verabredet haben. Grenzen schließen will man nicht, sondern Auflagen für die Querung schaffen. Waren und Berufspendler sollen nicht gestoppt werden – wohl aber Urlauber. Das weckt Hoffnungen im Inland. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) forderte schon am Freitag, Hotels und Skilifte nach dem Ablauf der aktuellen Lockdown-Frist im Februar wieder zu öffnen.

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          Weiß und leer: Skigebiet im thüringischen Oberhof : Bild: dpa

          Die Wirtschaftsminister der Länder sollten nicht mehr „wie Kaninchen vor der Schlange warten, was von Frau Merkel und der Ministerpräsidentenkonferenz aus Berlin kommt.“ Ministerpräsidenten und Kanzlerin sollten „akzeptieren, dass man sich in einem Hotel nicht infiziert“. Mit FFP2-Maske sei auch das Nutzen von Skiliften möglich.

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