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Was unser Essen kostet : Der wahre Preis eines Cookies

Nicht nur Cookies enthalten versteckte Kosten. Bild: Getty

Das Ernährungssystem muss nachhaltig werden. Das bedeutet, versteckte Kosten sichtbar zu machen. Woraus sie bestehen – und warum Unternehmen sie schon aus Eigeninteresse berücksichtigen sollten.

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          Klimawandel, Artensterben, Über- und Unterernährung, Ungleichheit – das sind nur die bekanntesten Menschheitsprobleme, für die das Welternährungssystem mitverantwortlich ist. Dessen versteckte Kosten für Mensch und Natur liegen bei 19,8 Billionen Dollar jährlich, mehr als doppelt so viel wie der gesamte finanzielle Wert des Nahrungsmittelverbrauchs auf der Welt. Auf diese Höhe schätzt es der wissenschaftliche Beirat des Ernährungsgipfels der Vereinten Nationen, der am Freitag zu Ende ging. Ein großer Teil der ausgestoßenen Treibhausgase lasse sich auf die Nahrungsversorgung zurückführen. Um die 17 Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, hält UN-Generalsekretär António Guterres es für unverzichtbar, das Ernährungssystem in den kommenden zehn Jahren umzubauen. Wissenschaftler sehen darin Potential, allen 17 Zielen deutlich näherzukommen. Der Weltwirtschaftsrat für Nachhaltige Entwicklung (WBCSD) fordert Unternehmenslenker daher auf, ihre Geschäfte ganzheitlicher zu betrachten. In ihren Entscheidungen sollten sie den „wahren Preis von Nahrungsmitteln“ (True Value of Food, TVoF) berücksichtigen.

          Jannik Waidner
          Redakteur in der Wirtschaft

          Die versteckten Kosten und Nutzen – Ökonomen sprechen von Externalitäten – bildet der Endpreis von Nahrungsmitteln nicht ausreichend ab. Diese umfassen Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit und soziale Verhältnisse. So kostet etwa ein Keks (siehe Grafik) für den Endkunden im Supermarkt 0,55 Dollar. Darin enthalten sind Produktionskosten von 33 Cent. Berücksichtigt man jedoch die versteckten Kosten, kommen nach Angaben des Rates 56 Cent obendrauf – die Gesamtkosten steigen damit auf 89 Cent. Die versteckten Kosten setzen sich zusammen aus der Umweltbelastung, Gesundheitskosten und sozioökonomischen Kosten, die sich in erster Linie aus schlechteren Arbeitsbedingungen ergeben.

          Letztere werden im Beispielfall vor allem von Arbeitern auf Kakaoplantagen der Elfenbeinküste getragen. Hinzu können weitere sozioökonomische Kosten kommen, die sich ergeben, wenn die Kekse nicht gegessen werden, sondern – Stichwort Lebensmittelverschwendung – als Abfall enden. Die Gesundheitskosten gehen zulasten von Sozialbeitrags- und Steuerzahlern. Sie ergeben sich hier aus Verbrauchern, die übergewichtig werden, sowie aus den Folgen verschmutzter Luft, zu der Produktion und Lieferung beitragen. Die Umweltbelastung – für dieses Beispiel wurden die CO2-Emissionen und der Wasserverbrauch einberechnet – trifft die gesamte Gesellschaft.

          Schnelle Boykottaufrufe

          Die versteckten Kosten machen in diesem Beispiel 63 Prozent der Gesamtkosten aus. Nach Darstellung des Rates machen die versteckten Kosten einer Portion Hafermüsli mit Apfel- und Pfirsichstücken dagegen nur 35 Prozent der Gesamtkosten aus. Der Endkundenpreis liegt für dieses Beispiel ebenfalls bei 55 Cent. Hier kommen jedoch nur 19 Cent versteckte Kosten zu Produktionskosten von 36 Cent hinzu: 12 Cent sozioökonomische Kosten, 3 Cent zulasten der Umwelt, 4 Cent im Gesundheitsbereich. Dass sich die versteckten Kosten der genannten Beispiele so stark unterscheiden, liegt vor allem an drei Faktoren: Die für die Zutaten angebauten Nutzpflanzen brauchen unterschiedlich viel Wasser, der Nährwert des Müslis ist vorteilhafter für die Gesundheit, und die Arbeitsbedingungen im Produktionsprozess sind deutlich besser, da alle Zutaten aus Europa stammen.

          Der Weltwirtschaftsrat sieht globale Regulierungen, die versteckte Kosten der Ernährung reduzieren, als am sinnvollsten an. Trotzdem ruft er Unternehmen dazu auf, sich schon jetzt daran zu orientieren. Ein Grund dafür sei, dass immer mehr Verbraucher nachhaltig produzierte Nahrungsmittel nachfragten, heißt es von der Organisation. Außerdem ändere sich durch Investitionen in die Food-Tech-Branche und neue Regulierungen, etwa CO2-Abgaben oder Zuckersteuern, das Wettbewerbsumfeld. Zudem würden negative Berichte über Produkte und Firmen schnell verbreitet, häufiger als früher werde zu Boykotts aufgerufen.

          Um das Geschäft auf den „True Value of Food“ auszurichten, verweist der Rat auf Materialien des „Doughnut of Social and Planetary Boundaries Framework“ der Capitals Coalition, der Value Balancing Alliance sowie des Natural Capital Toolkit. Es gelte, sich mit starken Partnern an die Spitze der Bewegung zu setzen, statt nur auf Veränderungen zu reagieren.

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