https://www.faz.net/-gqe-96aoh

Kommentar : Was SPD und Oxfam voneinander trennt

Der indische Slum liegt hier direkt neben einem Wohnhaus: Arme und Reiche sind laut Oxfam trotzdem weit voneinander entfernt. Bild: Reuters

Zwischen Kampagne und gestaltender Politik liegt eine entscheidende Grenze. Die SPD hat vorerst den anspruchsvolleren Weg gewählt.

          Zwei Organisationen, die im Namen der Gerechtigkeit auftreten, machen gerade großen Wirbel: Oxfam und die SPD. Beide nehmen für sich in Anspruch, die Armen und Schwachen gegen eine Übermacht der Reichen und Mächtigen zu verteidigen.

          Doch gibt es einen wichtigen Unterschied, der den Umgang mit Verantwortung betrifft: Oxfam ist eine Kampagnenorganisation. Sie hantiert einfach mit ein paar Vermögensstatistiken, um darauf möglichst plakative Forderungen zu stützen. Und wenn der Anführer, der sich „Kampagnenleiter“ nennt, diese mit viel Medienecho verkündet hat, ist die Mission erfüllt.

          Die SPD sah sich dagegen stets als politische Partei, gar als Volkspartei. Dazu gehört, nicht nur mit plakativen Forderungen für Aufmerksamkeit und Wirbel zu sorgen – sondern nach belastbaren Mehrheiten zu streben, um in der Regierung die Wirklichkeit zu gestalten. Große Teile der SPD träumen mittlerweile davon, sich wie die Linkspartei einfach an Oxfam zu orientieren.

          Kampagne ist leichter als gestaltende Politik, weil sie den Härtetest der politischen Wirklichkeit anderen überlässt. Eine nicht sehr große Mehrheit des SPD-Parteitags hat am Sonntag entschieden, vorerst auf dem anspruchsvollen Weg zu bleiben.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson

          Brief an Tusk : Johnson will Brexit-Deal neu verhandeln

          Bisher wollte der britische Premier sein Land auch ohne Deal aus der EU führen. Nun schreibt er an EU-Ratspräsident Tusk, ein Abkommen habe „oberste Priorität“. Zugleich fordert er, die Backstop-Regelung zu streichen – und schlägt Alternativen vor.
          Unser Sprinter-Autor: Timo Steppat

          F.A.Z.-Sprinter : Eine Ursula-Koalition für Italien?

          In Italiens Regierungskrise entscheidet sich, ob es Neuwahlen gibt, „Fridays for Future“ feiert Geburtstag – und in Brandenburg denkt man über eine Kenia-Koalition nach. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.