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Arbeitskräftemangel : Was die Vollbeschäftigung aus Deutschland macht

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Selbst in der Kommunalpolitik dreht sich die Welt. Wenn ein Bürgermeister Arbeitsplätze anwirbt, kann er im Deutschland der späten 10er-Jahre durchaus Schwierigkeiten bekommen. Im schwäbischen jedenfalls handelte sich Peter Traub Ärger ein, weil er den koreanischen Maschinenbauer YG-1 einlud, ein neues Werk mit 1000 Arbeitsplätzen zu schaffen. Die Unternehmen am Ort waren sauer, dass die Konkurrenz ihnen die Arbeitnehmer abwirbt. (Für die Arbeitnehmer allerdings steigen die Löhne künftig vielleicht schneller.)

Der Arzt versteht kaum Deutsch

Und was geschieht, wenn es an Ärzten fehlt? Auch das lässt sich in Deutschland gerade besichtigen. Da es nicht genug deutschen Ärztenachwuchs gibt, werden vermehrt Ausländer eingestellt. Laut Bundesärztekammer besitzen 11 Prozent der Ärzte in Deutschland eine ausländische Staatsbürgerschaft. Viele kommen aus Osteuropa und dem Nahen Osten. Sprachbarrieren können die medizinische Behandlung aber verkomplizieren. Cathrin Matejka hat das an der Uniklinik in Mainz als Patientin erlebt. „Ich wurde von einem pakistanischen Arzt untersucht, der fast kein Deutsch verstand. Er sagte nur ein paar Fachbegriffe, die ich nicht kannte. Der deutsche Oberarzt musste kommen und übersetzen.“ Missverständnisse und kulturelle Barrieren können den Aufbau einer Vertrauensbasis erschweren und Patienten verunsichern. „Bestimmt war der Arzt fachlich gut“, sagt Matejka, „Auch deutsche Ärzte sind manchmal wenig einfühlsam und sprechen nur im Fachjargon. Aber die Sprachbarriere macht es besonders schwer.“ Matejka wurde anschließend weiter vom Oberarzt behandelt. Ausländer können dem Ärztemangel entgegenwirken – gute Integration gehört aber auch in diese Gleichung.

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Dabei sind es längst nicht nur die hochqualifizierten Berufe, an denen es in Deutschland mangelt. Mancherorts finden sich nicht mal mehr Putzkräfte. Nun handelt es sich um eine besondere Berufsgruppe: Oft laufen die Geschäfte unter der Hand ab, die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sind wenig aussagekräftig. Putzkräfte haben ungeregelte Arbeitsbedingungen und machen nicht die beliebteste Arbeit. Die Nachfrage ist aber groß, und momentan scheint der Markt leergefegt. Tatjana Zens ist Lehrerin in Wiesbaden und sucht seit zwei Monaten nach einer Putzhilfe für sich und ihre Familie. „Ich habe überall im Bekanntenkreis gefragt, es findet sich kaum jemand. Und wenn man jemanden findet, stellen sie sehr hohe Anforderungen“, erzählt Zens, „Sie wollen mittlerweile 15 Euro die Stunde – das ist zu teuer, so viel verdiene ich ja netto nicht.“ Ihre letzte Kandidatin habe für dieses Gehalt zudem zu schlecht und zu langsam gearbeitet. Doch die Haushaltshilfen sind einfach nicht mehr auf Aufträge angewiesen.

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