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Lehren aus der Krise : Der Kapitalismus lebt

Ist es mit dem kapitalistischen Glanz in Schanghai bald vorbei? Wohl kaum. Bild: AFP

Solidarität statt Eigennutz, Staat vor Privat: Viele rufen in der Krise den Systemwechsel aus. Das ist zu kurz gedacht.

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          Die Corona-Krise ist noch nicht einmal auf ihrem Höhepunkt angekommen, schon ist für viele Leute das Grundübel gefunden: der Kapitalismus. Hätten wir womöglich viel mehr Krankenpfleger, wenn nicht geldgeile Klinikkonzerne die Löhne drücken würden? Hätten Pharmafirmen dem Coronavirus mehr Aufmerksamkeit gewidmet, wenn sie nicht so gewinngetrieben arbeiten würden? Hat die Weltgesundheitsorganisation viel zu wenig Geld bekommen? Und wäre jetzt alles viel einfacher, wenn nicht kapitalistische Egoisten Mehl und Klopapier horten würden? Der Kapitalismus sorge dafür, „dass unser Verständnis vom Gemeinwohl schwindet“, schimpfte SPD-Vize Kevin Kühnert im Interview mit dem „Spiegel“.

          Bei Kühnert mag das nicht überraschen, doch in diesen Tagen scheinen solche Thesen besonders viel Nachhall zu haben. Selbst kühleren Köpfen gilt als sicher: Wenn nicht der Kapitalismus das Problem ist, dann zumindest der Neoliberalismus oder wenigstens die Globalisierung. Schließlich hätte sich das Virus nie in dieser Geschwindigkeit verbreitet, würden nicht ständig so viele Leute um die Welt fliegen. Und würden wir mehr Atemschutzmasken selbst herstellen, dann hingen wir jetzt nicht von Lieferungen aus China ab.

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