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Erinnerungen an die Kanzlerin : Mit Frau Merkel über den Wolken

Kanzlerin Merkel steigt bei einem Besuch bei deutschen Soldaten im Jahr 2019 in Mali aus einem Militär-Flugzeug. Bild: dpa

Wie die Frau aus dem Osten bis ins Zentrum der Macht aufsteigt und das Land regiert. Anekdotisches aus einem Vierteljahrhundert an der Seite der Kanzlerin von unserem Wirtschaftskorrespondenten in Berlin.

          6 Min.

          Manaus, also mitten im Amazonasgebiet vor ziemlich genau einem Vierteljahrhundert: Die Bundesumweltministerin heißt Angela Merkel, sie ist auf großer Dienstreise, erst in Mexiko, dann in Brasilia, São Paulo und nun zum Abschluss im Tropenwald. Es ist heiß und schwül, mit dabei der junge Hauptstadtkorrespondent der F.A.Z. Das Kamerateam des ZDF ist verschwunden, die Kollegen sind zu einem Dreh in der Krone eines dieser Baumriesen abgetaucht, von wo man das große grüne Dach überblicken kann. Das ist eine in jeder Hinsicht verlockende Aussicht. Ein paar Journalisten wollen es den Kollegen vom Fernsehen nachmachen, entern einen bereitstehenden Käfer – doch da eilt die Ministerin herbei. Ihre unmissverständliche Botschaft: Bald ist Abflug, da kann nicht jeder machen, was er will, man bleibt zusammen. Das meiste bekam der Sprecher ab, das gehört zu seinem Berufsbild, aber auch die Journalisten kommen sich vor wie Grundschüler, die von der Lehrerin zusammengestaucht werden, sie klettern bedröppelt aus dem Auto.

          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Es ist eine kleine Szene aus einer Zeit, in der kein Mensch daran dachte, dass diese Frau aus dem Osten einmal im Kanzleramt sitzen könnte. Aber eines war da schon klar: Sie hat alles im Blick, sie ist durchsetzungsstark, und sie kümmert sich auch um Details – etwa als sie in São Paulo einen Baum pflanzt und die Begleitpresse dies nicht pflichtgemäß begleitet. Diese erkundeten zu der Zeit fröhlich die Innenstadt und landet in einer wunderbaren alten Bar, wovon heute noch ein leider recht verschwommenes Foto Zeugnis abgibt. Merkels Sprecher reagierte damals schlagfertig auf die kritische Frage seiner Chefin, wo denn die Journalisten seien: Irgendwann müssten die ja arbeiten und schreiben.

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