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Italiens Banken : Was der Chefwechsel bei Unicredit bedeutet

Jean Pierre Mustier Bild: Reuters

Der bisherige Chef von Italiens zweitgrößter Bank hatte diese 2017 mit einem Hauruck-Programm gerettet. Wird sein Nachfolger von der Politik zum Kauf der Krisenbank Monte dei Paschi gezwungen?

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          Das Ende der Ära Mustier bei der zweitgrößten italienischen Bankengruppe Unicredit kam offenbar auch für enge Mitarbeiter unerwartet. Medienspekulationen über eine etwaige Ablösung des seit 2016 amtierenden Geschäftsführers Jean Pierre Mustier wurden noch im Laufe des Tages als Zeichen der Missstimmung einzelner Mitglieder im Verwaltungsrat abgetan. Womöglich habe sich der eine oder andere übergangen gefühlt, als es darum ging, für die Zukunft einen neuen Präsidenten für die Bank auszuwählen.

          Doch bis zum Abend wurde bei einem informellen Treffen des Verwaltungsrates ein offenes Zerwürfnis zwischen dem französischen Bankenchef und einer Mehrheit der – zusammen mit Mustier – 14 Mitglieder des Verwaltungsrates offenbar. Mustier kündigte an, dass er nach Ablauf seines Mandats im April 2021 für eine Verlängerung nicht mehr zur Verfügung stehe. Zur Begründung wurde ganz offiziell ein vernichtender Kommentar des scheidenden Bankenchefs Mustier verbreitet: „Während der vergangenen Monate ist klar geworden, dass die aktuelle Strategie ‚Team 23‘ und ihre wichtigsten Bestandteile nicht mehr der aktuellen Denkweise des Verwaltungsrats entsprechen.“

          Mustier hatte die von faulen Krediten fast erdrückte Bank 2017 mit einem Hauruck-Programm gerettet. Unicredit hatte 2015, vor der Ankunft von Mustier, noch faule Kredite von insgesamt 78 Milliarden Euro ausgewiesen, insgesamt 16 Prozent der Ausleihungen. Mustier organisierte eine Kapitalerhöhung um den Rekordbetrag vom 13 Milliarden Euro und den Verkauf von Filetstücken für rund 7 Milliarden Euro.

          Bis 2019 wurde der Bruttowert der faulen Kredite auf etwa ein Drittel gesenkt. Mit seinem Ende 2019 vorgestellten Plan „Team 23“ versprach Mustier den Aktionären, die bei der Kapitalerhöhung an seinen Plan geglaubt hatten, bis 2023 einen Nettogewinn von 5 Milliarden Euro und eine Ausschüttungsquote von 50 Prozent.

          Skandale als Erbschaft

          Streit entstand offenbar zuletzt über die Forderung der italienischen Regierung, Unicredit möge die Krisenbank Monte dei Paschi aus Siena übernehmen. Die war 2017 vom italienischen Staat gerettet worden. Der damalige italienische Schatz- und Finanzminister Pier Carlo Padoan musste den Wettbewerbshütern der EU-Kommission versprechen, die Bank bis 2021 wieder zu privatisieren. Doch bisher findet sich weit und breit kein Übernahmeinteressent.

          Italiens größte Bank Intesa Sanpaolo war jeglichem politischen Druck für eine Übernahme aus dem Weg gegangen, in dem sie statt Monte dei Paschi die weitaus erfolgreichere mittelgroße Bank Ubi übernommen hat und damit mit ihrem Marktanteil in Italien an die Grenze einer marktbeherrschenden Stellung kam. Daher richten sich nun die Erwartungen an Unicredit. Ausgerechnet der frühere Schatzminister Padoan wurde schließlich gerade in den Verwaltungsrat aufgenommen und zum künftigen Unicredit-Präsidenten prädestiniert.

          Padoan ist zudem erstmals ins Parlament eingezogen, als unabhängiger Kandidat im Wahlkreis Siena für die Mitte-links orientierte demokratische Partei. Deren Vorgänger, die Linksdemokraten und Kommunisten, hatten bisher in Siena für Jahrzehnte die Macht im Rathaus von Siena und zugleich indirekt auch die Kontrolle über Monte dei Paschi. Die Erbschaft des politischen Einflusses auf die Bank waren schließlich Skandale und zwischen 2011 und 2017 Nettoverluste von insgesamt 21 Milliarden Euro.

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