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Solarenergie wird günstiger : Warum Windparks sich nicht mehr lohnen

Die Solaranlagen sind zurzeit offenbar interessanter als die Windkraft. Bild: dpa

Artenschutz und lange Genehmigungsverfahren machen Windparks zu teuer. Die Auktionen sind ein Flop. Dagegen reißen sich die Bieter um Solaranlagen. Forscher meinen, die Politik müsse umsteuern.

          Lange Genehmigungsverfahren und zunehmende Rechtsstreitigkeiten machen Windparks in Deutschland für Investoren immer unattraktiver. Das geht aus einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hervor, die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Winkte früher eine gesetzlich festgelegte Fixvergütung, werden die Zuschläge für die Inbetriebnahme neuer Anlagen zur Kostendeckelung seit 2017 von der Bundesnetzagentur versteigert. Teilnehmen dürfen Investoren mit behördlich erteilter Baugenehmigung, der Zuschlag geht an die Wenigstbietenden.

          Bei der jüngsten Vergabe wurden im Mittel 6,1 Cent je Kilowattstunde geboten. Das ist ein Drittel mehr als noch im Februar 2018 und 20 Prozent mehr als für Solarparks geboten wurde, die immer günstiger werden.

          Dabei hat sich auch die Stromerzeugung mit Windrädern keineswegs verteuert, im Gegenteil. Dass zuletzt kein einziger Investor mehr weniger als 5,2 Cent bieten konnte, sei vielmehr „Ergebnis eines sehr aufwendigen Genehmigungsverfahrens“, so das IW. Das treibe die Kosten in der Kalkulation. Hinzu komme, dass trotz Genehmigung Klagen möglich sind.

          Fehlende Abnehmer

          All das hatte zur Folge, dass für die 700 Megawatt, die Anfang dieses Monats ausgeschrieben wurden, Bieter fehlten. Projekte mit einem Gesamtvolumen von gerade einmal 476 Megawatt erhielten einen Zuschlag, während mehr als 200 Megawatt keine Abnehmer fanden. Die Ausschreibung war als um 30 Prozent unterzeichnet.

          Schon im vergangenen Jahr war der Bieterkreis immer weiter geschrumpft und blieb die bewilligte Menge an neuem Windstrom hinter dem ausgeschriebenen Volumen zurück. Man verfolge die Entwicklung mit Sorge, kommentierte die Bundesnetzagentur.

          Aus Sicht von IW-Energieökonom Frank Obermüller könnte der gesetzlich festgelegte Deckel zu knapp bemessen sein. So dürfen in der Auktion nicht mehr als 6,2 Cent gefordert werden, was nahe an der zuletzt erzielten Durchschnittsvergütung liegt. Womöglich rechnen sich Windräder aus Investorensicht also erst mit einer Vergütung von 7 bis 8 Cent je Kilowattstunde.

          Rechtliche Probleme

          Fragt man Branchenvertreter, ergibt sich kein ganz klares Bild. Eigentlich seien Windparks mit einem Volumen von 1800 Megawatt genehmigt und damit berechtigt, bei den Ausschreibungen mitzubieten, heißt es beim Bundesverband Windenergie (BWE). Auch sei auf Investorenseite nicht Tenor, dass eine Vergütung von 6 Cent unwirtschaftlich wäre.

          Das Problem sei eher rechtlicher Natur. „Seit 2017 erleben wir einen Stillstand in den Genehmigungsverfahren. Über 10.000 Megawatt Wind an Land stecken bundesweit im Verfahren fest“, sagt BWE-Präsident Hermann Albers der F.A.Z. Mehr als zwei Jahre verstrichen inzwischen auf dem Weg zur Genehmigung, ergänzt ein Sprecher.

          Zudem würden 80 Prozent aller Projekte beklagt. Vor allem der Artenschutz sei zum „Verhinderungsmechanismus“ und „schärfsten Schwert“ von Klägern wie Anwohnern oder Umweltverbänden geworden, auch weil sich Vögel im Laufe dieser zwei Jahre im genehmigten Gebiet ansiedeln und brüten.

          Genehmigungen stellen aus BWE-Sicht keine wirkliche Rechtssicherheit mehr dar. Eine Branchenabfrage habe ergeben, dass Projekte im Umfang von 750 Megawatt in Verfahren steckten. Der Verband fordert deren Beschleunigung, etwa indem man Fristen für die Klagebegründung verkürzt und Einsprüche auf eine Gerichtsinstanz beschränkt.

          Photovoltaik überzeichnet

          Doch die zurückliegende Auktion ist auch in anderer Hinsicht interessant, merkt das IW an. So war die ausgeschriebene Photovoltaik-Menge von 175 Megawatt nicht nur zweieinhalbfach überzeichnet, sondern die durchschnittliche Förderung betrug auch bloß 4,8 Cent – ein Viertel weniger als für Windstrom und eine Halbierung innerhalb von vier Jahren.

          Nicht einmal der teuerste Solarpark, der nun den Zuschlag erhielt, reichte an den günstigsten bewilligten Windpark heran. Weil keine signifikanten Kostenunterschiede in der Erzeugung bestünden, scheinen Windmüller viel stärker als Betreiber von Photovoltaik-Anlagen vom Zank um Genehmigung und Klagen betroffen zu sein, schlussfolgert IW-Ökonom Obermüller.

          Mehr Planungssicherheit durch schnelle und zuverlässige Genehmigungsverfahren für Windparks hält deshalb auch er für geboten. Zugleich müsse der Gesetzgeber auf den Preisverfall für neue Solarparks reagieren und die Ausschreibungsmenge anpassen.

          Tatsächlich ist diese für Windenergie dieses Jahr mit 2800 Megawatt fast doppelt so hoch wie für Solarenergie; das Volumen für gemeinsame Ausschreibungen, in denen beide Energieträger direkt miteinander konkurrieren, beträgt gar nur 400 Megawatt. Eine Erhöhung ist nicht geplant, dabei verspräche dieser Wettbewerb mehr Kosteneffizienz, meint Obermüller. Dass in den beiden zurückliegenden Auktionen kein einziger Zuschlag an Windmüller ging, sei bezeichnend.

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