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Probleme mit den Lieferketten : Das teure Weihnachtsfest

Wird das Weihnachtsfest teurer als sonst? Bild: dpa

In den Lieferketten klemmt es: Container fehlen, Häfen arbeiten zu langsam, Frachter liegen auf den Reeden. Logistiker planen nun, die Fertigung aus Asien heimzuholen. Auch damit die diesjährige Weihnachtsware bezahlbar bleibt.

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          Der Druck auf die globalen Lieferketten wird wohl bis über den Sommer nächsten Jahres hinaus anhalten. Zwar steuern die Reeder gegen, doch bleibt die Lage aufgrund von Corona, Unwuchten in der Nachfrage, Probleme in den Häfen und einem Mangel an Containern äußerst gespannt. Vor dem „Wahnsinn auf den Weltmeeren” warnt Martin Bäcker, Logistikanalyst des Fachdienstes Kunststoff Information (KI), die Firmen seiner Branche. Knapp 90 Prozent des Welthandels werden über die Meere abgewickelt. Für Weihnachten sehen viele schwarz: „Der Hammer wird da noch kommen“, warnt Bäcker mit Blick auf die Spot-Rate für den Transport. „Danach werden wir erleben, dass sich die hohen Preise noch tief ins Jahr 2022 hinein fortsetzen werden.“ Christian Denso, Sprecher des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), beschreibt die Lage im Gespräch mit der F.A.Z. mit einer einzigen Zahl: „Derzeit fahren 0,8 Prozent der Container-Transportfläche nicht.“ In einem normalen Jahr lägen rund 10 Prozent brach. Allein vor dem Hafen Long Beach in Amerika liegen 40 Schiffe auf Reede, die entladen werden müssen.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Auf das Niveau vor Corona würden sich die Frachtraten nicht mehr einpendeln. Damals kostete ein Container aus Nordasien nach Rotterdam oder Hamburg rund 1700 Dollar, per Bahn in etwa das Doppelte. „Mittlerweile liegen wir bei 15.000 Dollar, mit der Bahn bei 21.000 Dollar. Optimisten rechnen mit 10.000 Dollar im nächsten Jahr, wahrscheinlicher sind wohl 12.000 bis 14.000 Dollar für einen Container von 40 Fuß bei einem Neuvertrag“, sagt Bäcker. Selbst der Preis für einen Zubringer auf der Ostsee mit 200 Containern, einen Feeder, hat sich auf nun 30.000 Euro Tagesrate verzehnfacht.

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