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Machtkampf im Internet : Warum Twitter für Trump so wichtig ist

  • -Aktualisiert am

Donald Trump sucht den Machtkampf um die sozialen Netzwerke. Bild: AP

Politiker und Prominente finden in sozialen Medien eine große Gefolgschaft. Der amerikanische Präsident kämpft dafür, dass das so bleibt – damit er auf Twitter machen kann, was er will.

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          Immer wieder musste sich Jack Dorsey, der Mitgründer und Vorstandsvorsitzende von Twitter, anhören, was die Aktivitäten von Donald Trump auf Twitter zu bedeuten haben. Das hatte schon vor dessen Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika begonnen. Ob Twitter Trump zum Präsidenten gemacht hat? Dorsey blieb dann ruhig, wie im Jahr 2017 auf der Kölner Werbemesse Dmexco. „Dank Twitter weiß wenigstens jeder, wie der Präsident der Vereinigten Staaten tickt“, sagte der Twitter-Lenker am Anfang von dessen Amtszeit.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun greift Twitter allerdings auch in Nachrichten des amerikanischen Präsidenten ein. Soweit, dass das amerikanische Unternehmen die Mitteilungen löscht, ist es noch nicht gekommen, aber einzelne Tweets von Trump werden mit Hinweisen versehen. Am Freitag stand auf dessen Mitteilung über die Ausschreitungen in Minneapolis, dass dies gegen die Regeln zur Gewaltverherrlichung verstößt. Darin hatte Trump den Demonstranten in Minneapolis gedroht: „Beginnt das Plündern, beginnt das Schießen.“

          Twitter versieht eine Nachricht des amerikanischen Präsidenten mit einem Warnhinweis.

          Dabei ist Donald Trump ein Aushängeschild für Twitter: Hier teilt der mächtigste Mann der Welt sich mit und oft aus. Kein anderes soziales Netzwerk kann ähnliches von sich behaupten. Die Botschaften werden qua Amt leicht zum Gesprächsstoff. Das war immer ein Vorteil – für das Unternehmen und für Trump selbst. Die direkten Reaktionen, die Begrenzung der Textlängen und die Offenheit der Plattform trugen dazu bei. Trump hielt Twitter stets die Treue. Auf unliebsame Fragen musste er erst gar nicht reagieren.

          Alle wollen sich mitteilen

          Die Vorteile der sozialen Netzwerke nutzen Politiker und andere Prominente gern. Sie haben so die Kontrolle über die Präsentation der eigenen Inhalte und können direkt mit ihren Anhängern kommunizieren. Das beschleunigt die Nachrichtenverbreitung und resultiert auch in einer schnelleren Rückmeldung ihrer Befürworter. Möglich gemacht hat die direkte Kommunikation der Aufstieg des Smartphones, mit denen jeder vom Empfänger ebenfalls zum Sender werden kann. Auf jeden Computer entfallen mittlerweile ungefähr fünf neu verkaufte Smartphones.

          Ihren Teil-Abschied aus dem britischen Königshaus verbreiteten Prinz Harry und Meghan Markle rasch über ihr eigenes Instagram-Konto. Bekannte Sänger, Schauspieler und Models geben dort Verlobungen, Schwangerschaften oder Tournee-Absagen selbst bekannt. Viele nutzen ihre Reichweite gerade in einem jüngeren Publikum, um neben den eigenen Filmen und Liedern auch Werbung für andere Produkte zu machen, wofür sie sich gut und gern bezahlen lassen.

          Andererseits äußern sich Prominente auch politisch, was durchaus über den Aufruf zum Gang an die Urne an Wahltagen hinausgeht. Die Moderatorin Charlotte Roche forderte im vergangenen Jahr auf Instagram dazu auf, eine Petition für einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Tampons, Binden und Menstruationstassen zu unterschreiben. In dem Fall soll das dazu beigetragen haben, dass die Petition ihre erforderliche Mindestbeteiligung für die Behandlung im Bundestag erreichte. Gegner der Corona-Einschränkungen wie Ken Jebsen, Attila Hildmann und Xavier Naidoo teilen sich ebenso in digitalen Kanälen mit, vermehrt auf dem Videoportal Youtube und dem Nachrichtendienst Telegram.

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