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Soziales Netzwerk erklärt : Das Prinzip Snapchat

Hat gut lachen: Snapchat-Gründer Evan Spiegel Bild: AP

Alle reden über Snapchat, aber kaum einer versteht die Funktionen. FAZ.NET erklärt, warum das Unternehmen so erfolgreich ist und warum Jugendliche die App so lieben.

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          Falls Sie Kinder haben oder Enkel, falls Sie Lehrer sind oder auch sonst mit Jugendlichen mehr Kontakt haben, als vom Fenstersims lehnend „runter vom Rasen“ zu brüllen, dann: Haben Sie schon einmal von Snapchat mitbekommen.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Es ist geradezu unmöglich, derzeit nicht mit Snapchat in Kontakt zu kommen, das eine Mischung aus Videochat, Fotodienst und Quatschplattform ist. Snapchat gibt es zwar bereits seit bald fünf Jahren, doch in Deutschland wird der Smartphone-App nachgesagt, das nächste große Technologie-Ding im Jahr 2016 zu werden. Ein ernstzunehmender Konkurrent zu Facebook und dem dazugehörigen Chatprogramm Whatsapp.

          Allerdings versteht kaum ein Erwachsener die App, was sie vor allem für Jugendliche so interessant macht. Papa und Mama sind längst bei Facebook und wenn sogar die Oma eine Freundschaftsanfrage schickt, bekommt ein Soziales Netzwerk schnell das Attribut „uncool“.

          Das Erstaunliche am Erfolg von Snapchat: Die Bedienung ist alles andere als intuitiv, neuen Menschen zu folgen um ihre Inhalte zu sehen, ist komplizierter, als bei jedem anderen sozialen Netzwerk. Es gibt dutzende Möglichkeiten, nach links, rechts, oben oder unten zu wischen, Fotos mit Filtern, Zeichnungen oder Texten zu versehen oder Emoticons in Videos zu kleben. Die ganzen Funktionen machen die App zu einem Albtraum für Neulinge.

          Dass deswegen viele das Phänomen mit den Worten „Dafür bin ich zu alt“ abtun, macht für die vor allem jungen Nutzer also gerade den Reiz aus. FAZ.NET will dabei helfen, die App zu verstehen.

          Den Kurznachrichtendienst Twitter hat Snapchat auch hierzulande schon abgehängt. Rund um die Welt sieht die Bilanz für die App mit dem Zunge zeigenden Geist auf gelbem Grund noch besser aus: Mit mehr als 7 Millionen Videoaufrufen pro Tag liegt Snapchat nur rund 1 Millionen Aufrufe hinter Facebook. Auch wenn die Vergleichbarkeit etwas umstritten ist, weil die Netzwerke unterschiedlich zählen, ab wann ein Videoaufruf ein Videoaufruf ist, bekommen die Zahlen bei der Referenzgröße ein anderes Gewicht: Während Facebook seine Videoaufrufe von mehr als 1,6 Milliarden Nutzer zusammenzählt, schafft Snapchat fast die gleiche Zahl mit rund 100 Millionen täglichen Nutzern. In den Anfangsmonaten der App bemerkten die Gründer zudem, dass die Hauptnutzungszeiten zwischen 8 und 15 Uhr lagen - also vor allem Schüler Snapchat zur Kommunikation in der Schulzeit benutzten. Daran hat sich seitdem nichts geändert, nur ältere Nutzer sind dazugekommen. Trotzdem sind mehr als die Hälfte der Snapchat-Nutzer zwischen 16 und 24 Jahren alt. Im Vergleich zu anderen Netzwerken hat Snapchat überproportional viele weibliche Benutzer.

          Längst ist die App in der Politik angekommen: Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton scherzt mit einem Unterstützer über ein Snapchat-Video.

          Die Zahlen zeigen: Junge Menschen verbringen wahnsinnig viel Zeit nur in diesem Netzwerk, das wie kein anderes für Authentizität steht. In der App sind die geteilten Momente flüchtig, bis zu zehn Sekunden wird ein Bild oder Video angezeigt. Danach sind sie verschwunden. Möchte jemand seine Eindrücke mit mehreren Menschen teilen, kann er sie in der eigenen „Geschichte“ veröffentlichen, die 24 Stunden lang verfügbar ist. Die Flüchtigkeit ist der Hauptgrund, der Snapchat von den anderen Sozialen Netzwerken unterscheidet.

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