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Scholz und Altmaier : Comeback im Doppelpack

Profitieren politisch von der Krise: Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier Bild: dpa

Olaf Scholz und Peter Altmaier waren vor der Krise politisch abgeschrieben. Doch durch die Corona-Hilfen sind die beiden Bundesminister wieder obenauf. Etwas unterscheidet die beiden dann aber doch.

          12 Min.

          Es war vor gut einem Jahr, am 30. November, einem Samstag. Olaf Scholz saß mit seinen Getreuen in einem Lokal in der Nähe der Berliner SPD-Zentrale und dachte übers Aufhören nach. Die Mitglieder der Partei hatten gerade entschieden, dass er nicht Parteivorsitzender werden soll. Der Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland musste sich einem pensionierten Landesfinanzminister und einer Hinterbänklerin aus dem Bundestag geschlagen geben. Er machte dann doch erst mal weiter. Aber eine große Karriere schien ihm nicht mehr bevorzustehen. Die Zeit des Olaf Scholz sei vorbei, stand in den Zeitungen zu lesen.

          Ralph Bollmann
          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Noch schlechter als um den Chef des Finanzressorts war es zur gleichen Zeit um den Wirtschaftsminister von der CDU bestellt. Nicht bloß, dass Peter Altmaier zu Jahresbeginn mit einem lädierten Fuß durch die Hauptstadt humpelte. Er galt auch als Kandidat für eine baldige Ablösung. Sein Traum, wie einst Ludwig Erhard das Soziale mit der Marktwirtschaft zu versöhnen, war nicht in Erfüllung gegangen. Seine Konzepte für eine aktive Industriepolitik galten, lange vor Corona, als eine Variante des staatlichen Monopolkapitalismus – und außerdem als Attacke auf den Mittelstand, weil sie sich vor allem um die Großkonzerne drehten. Zuletzt hatten die Familienunternehmer Altmaier nicht mal mehr zu ihrer Jahresversammlung eingeladen. Um politisches Profil rang er mit Attacken auf die Bonpflicht in Bäckereien, die der Finanzminister gerade eingeführt hatte. Das schien im Januar das drängendste wirtschaftspolitische Problem der Republik zu sein.

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