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Statistisches Bundesamt : Wie die Pensionäre so reich wurden

Pensionäre: Haben weit mehr Vermögen als der Rest der Bevölkerung Bild: dpa

Pensionäre sind die reichsten Deutschen. Liegt das daran, dass sie besser anlegen als anderen? Oder daran, dass sie als Beamte leichter Häuser kaufen können?

          Der überraschende Vermögenszuwachs der Pensionäre wirft viele Fragen auf. Um 21,6 Prozent sind die Nettovermögen der Beamten im Ruhestand von 2008 bis 2013 gestiegen, ergab die neue breite Umfrage des Statistischen Bundesamtes. Die „Einkommens- und Verbrauchsstichprobe“ (EVS), für die diesmal rund 55.000 Bundesbürger befragt wurden, gilt als die detaillierteste Studie zu den materiellen Verhältnissen der Deutschen.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Das Ergebnis der neuesten EVS haben aufhorchen lassen: Erstmals sind die Vermögen der Pensionärshaushalte am Durchschnitt der Selbständigen vorbeigezogen. Auf fast 300.000 Euro kommen sie – 40.000 Euro mehr als die erfassten Selbständigen. Beamte im Ruhestand haben damit auch weit mehr Vermögen als der Rest der Bevölkerung: Rentner kommen laut EVS im Schnitt nur auf ein Nettovermögen von 127.000 Euro je Haushalt, weniger als halb so viel wie die Pensionäre.

          Vielfältige Ursachen

          Wie aber konnten die Staatsdiener im Laufe ihres Lebens so große Vermögen aufbauen? Die Ursachen sind vielfältig. Um Vermögen aufzubauen, braucht es Einkommen, aus dem Ersparnisse gebildet werden. „Beamte sparen mehr, weil sie kein schlechtes Einkommen haben und zudem eher konservativ sind und viele Rücklagen bilden“, sagt Markus Grabka, Verteilungsforscher beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Rund 1,7 Millionen Beamten gibt es, das sind 4 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland.

          Knapp 740.000 sind im Schul- und Hochschuldienst tätig. 265.000 Polizeibeamte gibt es, zudem 155.000 Finanzbeamte, 144.000 Beamte in Ministerien sowie 20.000 Richter. Insgesamt verdienen Beamte nicht schlecht: Laut den verfügbaren EVS-Daten lag das Nettoeinkommen von Beamtenhaushalten vor fünf Jahren im Durchschnitt bei 4.366 Euro – das waren 25 Prozent mehr als die 3.484 Euro Nettoeinkommen des Durchschnitts der Angestellten. Die Beamtenhaushalte hatten netto auch mehr Einkommen als die meisten Selbständigen und Unternehmer, die im Durchschnitt auf 4.181 Euro kommen.

          Hinter diesem Durchschnitt verbergen sich allerdings auch große Unterschiede: Etwa ein Viertel der Selbständigen haben nur sehr kleine Geschäfte oder verdienen als Soloselbständige wenig. Finanzielle Vorteile haben Beamte auch im Ruhestand. Die durchschnittliche Pension der Bundesbeamten von 2.850 Euro ist höher als die allermeisten Altersrenten.

          Unterschiede gibt es auch im Anlageverhalten: Während die allermeisten Deutschen kaum noch Aktien besitzen, investieren Pensionäre etwas mehr in Aktien oder Aktienfonds. Insgesamt 16.200 Euro hatten sie in dieser Anlageform. Allerdings ist auch ihr Aktienvermögen gegenüber der EVS von 2008 leicht gesunken. Die Aktie ist in Deutschland schon seit Jahrzehnten auf dem Rückzug, obwohl sie durchschnittlich höhere Renditen abwirft als Rentenpapiere, Lebensversicherungen oder gar Sparkonten.

          „Je mehr Geld einer hat, um so wahrscheinlich her ist es, dass er überhaupt Aktien hat“, sagt Norbert Kuhn vom Deutschen Aktieninstitut. Laut einer Infratest-Umfrage sind fast 28 Prozent der Beamten, aber nur 17 Prozent der Angestellten Aktionäre. Deutliche Unterschiede gibt es auch bei der Neigung, eine Lebensversicherungen abzuschließen. Beamte suchen weniger Schutz in solchen Anlagenformen. Sie haben einen kleineren Anteil ihres Geldvermögens (28 Prozent) in Versicherungen investiert als Angestellte oder Selbständige (30 bis 32 Prozent).

          Nur Selbstständige halten mehr Immobilien

          Der größte Vermögensunterschied zwischen Beamten und sonstigen Arbeitnehmern ergibt sich aber durch den Immobilienbesitz. Das zeigt die EVS: 62 Prozent aller Beamten und sogar 75 Prozent aller Pensionäre haben Haus- und Grundbesitz, im Gegensatz zu 46 Prozent der Angestellten und 49 Prozent der Rentner; nur unter den Selbständigen ist die Immobilienbesitzerquote vergleichbar hoch wie bei den Staatsdienern. „Beamte haben besseren Zugang zu Krediten für einen Häuserkauf“, sagt DIW-Ökonom Grabka, „weil sie kein Arbeitsplatzrisiko haben und daher bei vielen Banken bessere Kreditkonditionen aushandeln können.“

          Und weil die Immobilienquote der Beamten und Pensionäre hoch liegt, konnten sie auch in besonderer Weise vom Anstieg der Häuser- und Wohnungspreise seit einigen Jahren profitieren. Im Durchschnitt 337.000 Euro betrug der Wert ihrer Immobilien, gaben die Pensionäre in der EVS 2013 an – 71.000 Euro mehr als fünf Jahre zuvor. Nur die Selbständigen haben noch etwas höheren Immobilienbesitz, doch lastet auf diesem eine höhere Restschuld. Rentnerhaushalte hatten laut EVS 2013 nur Häuser und Wohnungen im Durchschnittswert von 21.2000 Euro.

          Der Deutsche Beamtenbund (DBB) wehrt sich gegen die Darstellung, pensionierte Staatsdiener seien die Reichsten im Lande: „Es ist doch abwegig zu glauben, jeder der 1,5 Millionen Versorgungsempfänger habe eine Immobilie in bester Lage, ein stattliches Aktiendepot und eine Pension von 2.850 Euro“, sagt Hans-Ulrich Benra, Vizevorsitzender des DBB.

          Die Ruheständler seien keine „Vermögenden im Tal der Sorgelosen“, das sei eine „Skandalisierung“. Dabei legt Benra den Finger in eine Schwachstelle der Statistik: Weil die EVS nur solche Haushalte mit einem Maximaleinkommen von 18.000 Euro im Monat erfasst, fallen Topmanager und größere Unternehmer heraus. Auch DIW-Ökonom Grabka betont: Letztlich seien doch die Unternehmer und nicht die Pensionäre die reichste Gruppe im Lande.

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