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Russlandpolitik : Merkel und der harte Hund

Putin wusste von Merkels großer Angst vor Hunden: Der ehemalige Geheimdienstler arbeitete in persönlichen Treffen mit beinharten Tricks. Bild: picture-alliance/ dpa

Weil sie Russland so gut kannte, misstraute Angela Merkel dem Kreml-Chef. Beim Gas waren Wirtschaftsinteressen wichtiger.

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          Jetzt spricht sie wieder, nach einem halben Jahr des Schweigens. Seit Angela Merkel am 8. Dezember ihr Büro im Bundeskanzleramt an den Nachfolger Olaf Scholz übergab, trat sie in der Öffentlichkeit nur noch selten und als Zuhörerin in Erscheinung. Bei der Wahl des Bundespräsidenten etwa oder der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes an den Schauspieler Ulrich Matthes. Leserreporter der Bild-Zeitung ertappten sie beim Kauf einer angeblich zu teuren Wurst, in einem anderen Lebensmittelgeschäft kam ihr Geldbeutel abhanden, und zwischendurch wurde sie im Toskana-Urlaub gesichtet: ganz ungewohnte Aktivitäten für eine Frau, die als Kanzlerin den immer gleichen Supermarkt und die immer gleichen Urlaubsorte frequentierte.

          Ralph Bollmann
          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Vom kommenden Mittwoch an macht Merkel wieder vertrautere Dinge. Zunächst hält sie eine Laudatio auf den ausgeschiedenen Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, eine durchaus altkanzlerinnentypische Beschäftigung. Und sechs Tage später, am 7. Juni, plaudert sie im Theatersaal des Berliner Ensembles mit dem Journalisten Alexander Osang – offiziell über eine Ausgabe ihrer Reden, die um die Identität der Ostdeutschen kreisen, wenngleich alle darauf warten, was sie zum Konflikt mit Russland sagt. Sie hat ziemlich lange damit gewartet. Zum einen fand sie schon immer, dass die Vorgänger ihren Nachfolgern nicht ins Handwerk pfuschen sollen. Wenig hat sie in ihrer Karriere so genervt wie das Gebaren des Altkanzlers Helmut Kohl, der seine Abwahl 1998 für einen Irrtum der Geschichte hielt, weiterhin an allen Sitzungen der CDU-Gremien teilnahm und sich auf Parteitagen zum Verdruss der neuen Generalsekretärin Merkel ausgiebig feiern ließ.

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