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„Nüchterner Pragmatismus“ : Was bleibt von Merkel?

Was bleibt von der Ära „Merkel“? Bild: EPA

Angela Merkel war immer eine Pragmatikerin aus Überzeugung. Sie setzte sich gegen Wolfgang Schäuble durch und ließ Griechenland nicht fallen. Doch mit der Flüchtlingskrise änderte sich ihre Einstellung.

          6 Min.

          Es war vor fast genau drei Jahren, ein eiskalter, aber ziemlich sonniger Novembertag in Hamburg. Angela Merkel hatte über die Jackenfarbe an diesem Morgen nicht nachdenken müssen, strengstes Schwarz stand außer Frage. Die Bundeskanzlerin sprach in der Hauptkirche St. Michaelis auf der Trauerfeier für Helmut Schmidt, den im Alter von 96 Jahren verstorbenen Vorvor-Vorgänger im Amt. Sie hielt eine ihrer persönlichsten Reden, zeichnete so etwas wie ein Selbstporträt in der dritten Person. „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“: Merkel wagte es sogar, Schmidts berüchtigtsten Satz zustimmend zu zitieren, ihn sich zu eigen zu machen.

          Ralph Bollmann
          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Den „nüchternen Pragmatismus“ des Verstorbenen rühmte sie, seine „Resistenz gegenüber ideologischer Einengung“. Sie lobte Schmidts Überzeugung, „dass eine Entscheidung nur dann reif zu fällen war, wenn sie vorher durchdacht und mit Vernunft durchdrungen war“. Und sie schloss mit einer Bilanz seiner Regierungszeit: „Die Leistungen dieses Bundeskanzlers zeigten sich in den Krisen, die er zu bewältigen hatte.“

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