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Erklär mir die Welt (37) : Warum gibt es Angebot und Nachfrage?

Festgestellt haben die Ökonomen auch, dass die Kunden bei manchen Gütern Preissteigerungen eher hinnehmen als bei anderen, weil sie auf diese in besonderem Maß angewiesen sind. Diesen Umstand nutzt auch der Staat aus, indem er Tabak und Alkohol gern mit Steuern belegt. Denn er weiß, dass viele Menschen auf diese Genussmittel nicht verzichten wollen. Mit dem Benzin ist es genauso, denn es ermöglicht Mobilität. Wenn der Preis für diese Güter durch die Steuer steigt, schränken die Menschen daher notfalls den Verbrauch anderer Güter ein. Daher ist das Aufkommen aus diesen Verbrauchssteuern für den Finanzminister relativ zuverlässig zu kalkulieren, zumal sich auch Schwankungen in der Konjunktur hier nicht so deutlich zeigen.

Wie gut ein Markt funktioniert, hängt zu einem großen Teil davon ab, wie viel Macht die Teilnehmer haben. Gibt es für ein Gut nur einen Anbieter, haben die Kunden das Nachsehen: In einem solchen Monopol diktiert der Anbieter die Preise und erzielt dadurch eine höhere Gewinnspanne, denn seine Kunden können nicht zur Konkurrenz ausweichen. „Monopolrendite“ nennen das die Ökonomen.

Auch am Arbeitsmarkt entscheidet der Preis

Es ist für die Kunden aber auch von Nachteil, wenn sich der Staat in den Markt einmischt, etwa indem er Preisgrenzen festlegt - vermeintlich zu ihren Gunsten. Doch kein Unternehmer bietet seine Waren längere Zeit zu Preisen an, die seine Kosten nicht decken. Entweder sinkt das Angebot, oder seine Qualität verschlechtert sich. Beispielsweise ist selbst in Marktwirtschaften oft das Niveau der Mieten staatlich reguliert, mit dem Ergebnis, dass sich das Wohnungsangebot verknappt.

In Frankreich gilt der staatliche Mindestlohn als eine Ursache für die hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen. Denn auch am Arbeitsmarkt entscheidet der Preis, also der Lohn, darüber, ob Angebot und Nachfrage nach Beschäftigung zum Ausgleich kommen.

Vielfältigste Einflüsse

Da Angebot und Nachfrage den vielfältigsten Einflüssen unterliegen, ist es schon schwierig, für einen einzelnen Markt herauszufinden, welche Ursache eine Störung des Wettbewerbs hat. Noch schwerer fällt es den Ökonomen, Störungen auf den Grund zu gehen, wenn diese erst die gesamte Volkswirtschaft erfasst haben.

Sinkt die Wirtschaftsleistung insgesamt und damit das Volkseinkommen, ist das ein Zeichen für eine Störung zwischen Angebot und Nachfrage. Aber ob die Ursachen eher auf der einen oder auf der anderen Seite zu suchen sind, darüber gehen die Meinungen der Ökonomen oft auseinander. Dementsprechend widersprüchlich erscheinen oft ihre Ratschläge darüber, mit welchen wirtschaftspolitischen Maßnahmen die Politik dazu beitragen könnte, die Wirtschaftslage zu verbessern: Grob gesprochen lassen sich zwei Denkschulen unterscheiden, die Angebotstheoretiker und die Nachfragetheoretiker. Erstere raten dem Staat, alles zu tun, damit die Unternehmen kostengünstiger produzieren können: also die Bedingungen auf der Angebotsseite zu verbessern, etwa durch die Senkung von Steuern und Abgaben für Unternehmen. Nachfragetheoretiker raten dazu, dass der Staat auf die Nachfrage einwirkt, sei es, indem er selber mehr Aufträge erteilt oder die Steuerlast der Bürger senkt, damit diese mehr konsumieren - und dazu notfalls mehr Schulden macht.

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