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Wirtschaftsstandort : Zeit für ein neues Frankreich-Bild

Hier tut sich was: Macron zu Besuch im Gründerzentrum Station F Bild: AP

Das Nachbarland wandelt sich: Präsident Macron will jetzt auch die Zentralisierung abbauen. Der Unternehmergeist greift um sich. Eine Neubewertung ist geboten.

          6 Min.

          Frankreich gehört heute zu den fünf attraktivsten Wirtschaftsstandorten der Welt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der amerikanischen Beratungsgesellschaft A.T. Kearney unter internationalen Investoren. Seit die Studie vor zwanzig Jahren erstmals erstellt wurde, war Frankreich noch nie in der Gruppe der fünf Spitzenländer vertreten. Sie wird heute angeführt von den Vereinigten Staaten, gefolgt von Deutschland, Kanada und Großbritannien. Frankreich, das im Vorjahr noch auf dem siebten Platz rangierte, zog nun an Japan und China vorbei. China fällt auf den Rang sieben zurück. „Das Vertrauen in die französische Wirtschaft nimmt seit der Wahl von Emmanuel Macron im Jahr 2017 kontinuierlich zu. Auch die Bewegung der ,Gelbwesten‘ hat daran nichts geändert“, sagt Xavier Mesnard, ein Partner im Pariser Büro von A.T. Kearney. Die Investoren schätzten die Erleichterungen im französischen Arbeitsrecht, das Bemühen um eine allgemeine Vereinfachung der Regulierung sowie die Senkung der Gewinnsteuern auf Unternehmen, berichtet Mesnard. Dazu passt die jüngste Meldung vom Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit sinkt zwar nur langsam, doch mit 8,7 Prozent ist sie auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren angekommen. Ohne die Überseegebiete sind es 8,4 Prozent.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der Macron-Effekt ist unbestreitbar, der Präsident gilt in seiner Politik zugunsten der Unternehmen weiterhin als glaubwürdig. Den Ausgangspunkt dieses Weges könnte man allerdings auch schon früher ansetzen, nämlich im Jahr 2012, als der sozialistische Präsident François Hollande mit umfangreichen Steuersenkungen für die Wirtschaft eine „Politik des Angebots“ einleitete, wie er sagte. Sie blieb in vielerlei Hinsicht unvollständig, doch sie markierte eine Wende. Oft kam es nach etwa zwei Jahren in den französischen Präsidentschaftsmandaten zu Kurswechseln. Ist das auch bei Emmanuel Macron nach der „Gelbwesten“-Bewegung der Fall?

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