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Instabile Staaten : Warum gegen afrikanische Regierungen so oft geputscht wird

Die Spitze des sudanesischen Militärrats im Juni Bild: AP

Im Sudan gab es nun schon wieder einen versuchten Staatsstreich. Nirgendwo werden Regierungen so häufig gestürzt wie in Afrika. Woran das liegt, haben Wissenschaftler in einer Studie untersucht.

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          In Sudan war zuletzt die Hölle los. Nach dem Putsch vor drei Monaten wüteten in der Hauptstadt Khartum und in Darfur Milizionäre und die sogenannten Djandjawid (Reitende Teufel); es gab zahllose Todesopfer. Seit dem Sturz des islamistischen Diktators Omar al Baschir hat eine Militärregierung die Macht übernommen. Indes forderten mutige Demonstranten in Khartum eine echte Demokratisierung.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Ende der vergangener Woche verkündete die Militärregierung eine Einigung mit der Opposition auf eine gemeinsame Übergangsregierung. Doch die Unsicherheit geht weiter. Wie der Militärrat am Donnerstagabend im Staatsfernsehen mitteilte, gab es nun einen neuen versuchten Staatsstreich anderer Offiziere, der niedergeschlagen wurde.

          Die Ereignisse im Sudan werfen ein Schlaglicht darauf, dass Coups d'État vor allem in Afrika noch immer relativ häufig vorkommen. Im zentralafrikanischen Gabun versuchte zu Jahresbeginn eine Gruppe junger Offiziere die Macht zu übernehmen, als Staatschef Ali-Ben Bongo nach einem Schlaganfall abwesend war. Sie besetzte einen Radiosender, doch ihr Aufstand scheiterte.

          In Algerien drängte ein drohender Staatsstreich den Langzeitherrscher Abd al-Aziz Bouteflika aus dem Amt. In Äthiopien, dem Nachbarland Sudans, wurden Ende Juni bei einem Putschversuch gegen die Regionalregierung in Amhara deren Präsident sowie der Chef der Streitkräfte des Landes getötet.

          75 Prozent aller Staatsstreiche und Putsche finden heutzutage in afrikanischen Ländern statt, heben die Analysten von NKC African Economics, einer Tochtergesellschaft von Oxford Economics, in einem aktuellen Papier hervor. Allerdings hat die Putschhäufigkeit deutlich abgenommen. In den 1960ern knallte es im Durchschnitt fast zehnmal im Jahr, danach sank die Zahl schrittweise. Heute gibt es nur noch etwa zwei Staatsstreiche pro Jahr auf der ganzen Welt.

          Die 1960er Jahre waren aus verschiedenen Gründen eine Hochphase von Militärputschen: Nach der Dekolonisierung Afrikas entstanden dort instabile Staaten, in denen verschiedene Gruppen um die Macht rangen. Zudem wurden die Konflikte im Kalten Krieg von den beiden Supermächten zusätzlich angefacht, die Attentate, Rebellionen und Staatsstreiche unterstützten.

          Mit dem Ende des Kalten Krieges und der weltweiten Zunahme demokratischer Regierungen hat die Coup-Wahrscheinlichkeit stark abgenommen. Afrika bleibt indes ein Kontinent mit vielen eher instabilen Ländern.

          Demokratie kann Staatsstreiche verhindern

          Was sind die Faktoren, die einen Coup oder Coup-Versuch begünstigen? Die Ökonomen von NKC African Economics haben elf Faktoren in einer Regressionsanalyse aller - erfolgreichen oder versuchten – Staatsstreiche seit 1950 getestet. Einige Faktoren korrelieren dabei mehr als andere mit dem Ereignis Staatsstreich, wobei Korrelation nicht zwingend Kausalität bedeuten muss.

          Wenn ein Land eine demokratische Regierung hat, verringert dies tendenziell die Putschwahrscheinlichkeit. Allerdings ist die Beziehung nicht linear, sondern komplizierter. In soliden Demokratien wird selten geputscht. Aber auch in ganz harten Autokratien und Diktaturen ist die Putschgefahr nicht so hoch, wenn der Herrscher mit Eisenhand regiert und jede Opposition unterdrückt. Anfällig für Putsche sind eher mittel- bis halbautoritär regierte Länder, wo es gerade ein bisschen Freiheit gibt, so dass Proteste sich äußern oder Medien über Missstände berichten können. Nur etwa die Hälfte der afrikanischen Staaten kann man als wirkliche Demokratien betrachten.

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