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Negative Wahrnehmung : Warum die Deutschen nicht so arm sind, wie sie denken

Grundsicherung, um etwas zu Essen auf dem Teller zu haben? Die Zahl der Menschen in Deutschland, die darauf angewiesen ist, sinkt. Bild: Reuters

Immer mehr Menschen in Deutschland seien von Armut bedroht, heißt es oft. 84 Prozent der Bürger glauben das. Dabei sieht die Realität ganz anders aus – selbst für Ausländer, wie ein Blick auf die Statistik zeigt. Doch diese Feststellung ist unpopulär. Warum?

          5 Min.

          Eine Bestandsaufnahme der sozialen Verhältnisse in Deutschland könnte mit folgenden Feststellungen beginnen: Die Armutsgefährdung der Deutschen befindet sich auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren. Der Anteil der Menschen, die hierzulande in absolut ärmlichen Verhältnissen leben, ist so gering wie noch nie seit dem Jahr 2005. Gleiches gilt auch für die Zahl der Deutschen, die für ihren Lebensunterhalt auf die Grundsicherung Hartz IV angewiesen sind. Sie ist so niedrig wie noch nie seit der Arbeitsmarktreform vor 15 Jahren. Alle drei Feststellungen sind durch Daten des Statistischen Bundesamts und der Bundesagentur für Arbeit gedeckt, stützen sich also nicht auf windige Quellen – sie sind jedoch sehr unpopulär.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          In der öffentlichen Wahrnehmung spielen sie keine Rolle. Auch das ist übrigens offiziell belegt: Eine Untersuchung für den Armuts- und Reichtumsbericht der Regierung von 2017 kam zu dem Ergebnis, dass der Anteil armer Menschen hierzulande nach Ansicht von 84 Prozent der Bürger in den vorangegangenen fünf Jahren gestiegen sei; nach Ansicht von 44 Prozent sogar stark. Dass der Anteil der Armen gesunken sei, glaubten weniger als 6 Prozent. Und nichts deutet darauf hin, dass sich daran seither viel geändert hat.

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