https://www.faz.net/-gqe-9o8nq

Bedarf an Wohnflächen : Nicht in meinem Hinterhof

Schön grün hier: Nach Hofheim zieht es viele, die in Frankfurt arbeiten.Wo heute noch Acker ist, sollen nach dem Willen der Stadt bald viele Wohnungen entstehen. Bild: Helmut Fricke

Alle fordern, dass dringend mehr gebaut werden muss. Aber sobald eine Stadt ein Neubaugebiet plant, gibt es Protest. Ist sich beim Wohnen jeder selbst der Nächste?

          6 Min.

          Da, wo in Zukunft mehr als tausend Wohnungen stehen sollen, ist im Moment nichts als eine grüne Wiese. Das Gras auf dem Acker dampft sattgrün im Licht des Nachmittags, es hat geregnet in der Nacht. Eine Obstplantage liegt etwas abseits des Schotterwegs, hin und wieder läuft ein Spaziergänger oder ein Jogger über das Feld. Doch die Idylle trügt. „Wir wollen nicht, dass man von der Frankfurter Hauptwache über eine Straße bis hierherkommt und nur durch Häuserdschungel fährt“, sagt Helmut Kornmann. Der Ruheständler ist einer der führenden Köpfe der Bürgerinitiative „Feld statt Beton – stoppt Marxheim 2“. So heißt das geplante Baugebiet, das Hofheim am Taunus, eine 40.000-Einwohner-Stadt im Rhein-Main-Gebiet, an dieser Stelle errichten will. Das Areal ist größer als so manches Baugebiet in einer Großstadt. Auf einer Fläche von 28 Hektar sind Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 1100 bis 1400 Wohnungen geplant, die bis zu 3000 Neubürgern Platz bieten sollen.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Was in Hofheim passiert, ist derzeit überall in Deutschland zu beobachten. Auch wenn die Bürger in Umfragen immer wieder die Wohnungsnot als eines der drängendsten sozialen Probleme der Zeit bezeichnen – sobald die Bagger in ihrer Nachbarschaft anrollen sollen, verstummen die Forderungen nach mehr Neubau ganz schnell. Mehr noch: Allerorten organisieren sich Bürgerinitiativen, die Druck auf die Städte ausüben, von den Bauvorhaben wieder Abstand zu nehmen. Die Gegenwehr ist so groß, dass Soziologen dieser Bewegung schon einen Namen verpasst haben. Von der Generation „Nimby“ ist die Rede – die Abkürzung steht für „Not in my backyard“, nicht in meinem Hinterhof. Es sind in der Regel nicht die sozial Schwachen, die da protestieren, sondern die, denen es finanziell einigermaßen gutgeht. Man könnte auch sagen, diejenigen, die etwas zu verlieren haben. Und wenn es nur der schöne Ausblick vom Garten des Einfamilienhauses oder vom Balkon der Eigentumswohnung ist.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Präsident Erdogan erklärt sich gegenüber Journalisten.

          Nahe Izmir : Krieg in Syrien gefährdet VW-Werk in der Türkei

          Eigentlich war die Sache in trockenen Tüchern, nahe Izmir wollte VW sein erstes türkisches Pkw-Werk errichten. Doch weil Erdogans Truppen in Nordsyrien einmarschiert sind und dort die Kurden bekämpfen, wachsen die Zweifel an der Standortentscheidung.

          Besuch in Malvern Link : Morgandämmerung

          Er sieht aus wie vor mehr als 80 Jahren, doch steht der jüngst vorgestellte Morgan Plus Six für den Beginn einer neuen Zeit. Aber keine Sorge: Moderne Autos werden die Kerle in Malvern Link auch künftig nicht bauen.