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BDI-Chef Dieter Kempf : Ein guter Golfpartner für Donald Trump

Dieter Kempf: Eigentlich kein Mann der Industrie Bild: dpa

Der Industrieverbands-Präsident könnte dem amerikanischen Präsidenten mit der ihm eigenen Wortgewandtheit erklären, welchen Schaden ein Handelskrieg anrichtet. Denn für die deutsche Wirtschaft steht viel auf dem Spiel.

          Wahrscheinlich wäre es eine gute Idee, wenn der amerikanische Präsident Donald Trump und Dieter Kempf sich einmal zum Golfspielen treffen würden. Denn der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) wäre für Trump ein Gesprächspartner, der ihm pointiert, witzig und mit leicht verständlichen Worten erklären könnte, warum ein Handelskrieg gar keine gute Idee wäre. Kempf würde sich obendrein im Golf gut schlagen und dazu den für ihn typischen, schelmischen Gesichtsausdruck aufsetzen. Vielleicht wäre es der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Denn von guten Geschäften versteht Kempf auch etwas. Dafür hat er zwanzig Jahre lang an der Spitze der Datev gestanden, der Datenverarbeitungsorganisation der steuerberatenden Berufe in Nürnberg – bis zum Jahr 2016.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Netzwerken kann Kempf auch. Seine Zeit an der Spitze des Digitalverbands Bitkom von 2011 bis 2015 war jedenfalls so erfolgreich, dass der Industrieverband BDI mit einem Steuerberater und Wirtschaftsprüfer an seiner Spitze keine Schwierigkeiten hatte. Das ist nicht selbstverständlich: In der Industrie hatte Kempf schließlich nie gearbeitet. Der inzwischen 65 Jahre alte Kempf ist auch ausdrücklich als Digitalisierungsfachmann zum BDI geholt worden; denn auf diesem Gebiet darf die deutsche Wirtschaft keinen einzigen Stich mehr abgeben. Und damit hätte er auch gut zu tun. Doch seit den Ankündigungen von Trump sieht er sich als oberster Vertreter der deutschen Industrie nun mitten in einem heraufziehenden Handelskrieg.

          Kempf äußerte sich am Freitagmorgen prompt als einer der ersten Industrievertreter zu dem Thema, und er ist überaus besorgt: „Die Abschottungspolitik der Vereinigten Staaten ist ein Fehler“, sagte Kempf, Trump riskiere damit „weltweite Handelskonflikte und eine Spirale des Protektionismus, die am Ende auch amerikanische Jobs kosten werden“.

          Panik ist seine Sache nicht

          Wie groß der potentielle Schaden für die deutsche Industrie sein könnte, wie viele Millionen oder gar Milliarden der Konflikt kosten könnte, dazu wollte sich der Verband noch nicht äußern. Wegen der Grippewelle fehlen derzeit einige wichtige Fachleute. Ohnehin will Trump die Details zu den Zöllen erst kommende Woche bekanntgeben. Kempf machte aber klar: „Der BDI unterstützt die EU in ihrem Vorhaben, eine angemessene Antwort zu geben.“ Es gebe Wege, um auf Basis der Regeln der Welthandelsorganisation zu reagieren. Multilaterale Regeln müssen durchgesetzt werden.

          Zu seinem Amtsantritt beim BDI Anfang 2017 wurde Kempf gefragt, ob er eher einer sei, der mit der Faust auf den Tisch haue oder lieber verhandle, bis die anderen aufgeben. „Der ein oder andere Mitarbeiter würde wohl sagen, ja, cholerisch kann er schon auch sein“, gab er zu. „Ich würde aber behaupten, das ist relativ selten und wenn, dann sehr bedarfsorientiert.“

          Kempf wäre aber nicht Kempf, würde er nicht in der Causa Trump zugleich zur Besonnenheit mahnen. Panik ist seine Sache nicht: Natürlich müssten deutsche und europäische Interessen gewahrt werden. Aber es sei auch wichtig, „einen kühlen Kopf zu bewahren, um einen eskalierenden Handelskonflikt mit globalem Ausmaß nicht unnötig zu befeuern“, sagte er. „Es steht zu viel auf dem Spiel.“ Eine neue Protektionismuswelle würde die Handelsnation Deutschland rasch treffen. Etwa jeder vierte Arbeitsplatz hierzulande hängt am Export, in der Industrie sogar mehr als jeder zweite.

          Motorradfahrer, erfahren, vielseitig

          Dabei war die deutsche Industrie so gut ins neue Jahr gestartet. Gerade mal anderthalb Monate ist es her, als ein bestens gelaunter Kempf in Berlin die neueste Konjunkturprognose des Verbands präsentierte. 2,25 Prozent Wachstum – läuft. „Der Aufschwung ist robust“, sagte Kempf damals. Er sah allerdings auch schon die Gefahren einer immer weniger berechenbaren Welt: „Ich erwarte von der neuen Bundesregierung, dass sie sich für freien Handel in der Welt einsetzt.“ Diese Worte gewinnen nun an Gewicht.

          In der Festschrift, die zu seinem Abschied bei der Datev erschienen ist, steht an einer Stelle zu seiner Tätigkeit als Lobbyist für die IT-Branche: „Der Motorradfahrer Kempf hat stets seine ganze Erfahrung und Vielseitigkeit in die Waagschale werfen müssen.“ Diese Eigenschaften hat er aber auch zu jeder Zeit zur Verfügung, genauso wie sein großes Sprachgefühl und einen Wortwitz, mit dem sich gerade in dieser Branche nur wenige Manager auszeichnen. Bewiesen hat er das in den vergangenen Jahren immer wieder, nicht nur in der IT, sondern auch dann, wenn er sich in die steuerpolitische Diskussion eingemischt hat. So einer könnte auch den angeblich harten Händedruck von Trump erwidern, vielleicht sollten beide es mal versuchen. Gerne auf dem Golfplatz.

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