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Ausländer verlassen China : Pekings strenge Covid-Politik stößt auf Zorn

Covid-Kontrolle in der nordostchinesischen Stadt Harbin. Bild: dpa

Pekings Null-Covid-Politik hat aus dem Land ein Gefängnis gemacht. Die in China lebenden Ausländer fliehen daher vor lauter Unmut in Scharen. Einheimische schaffen es jedoch nur mit großer Mühe, das Land derzeit zu verlassen.

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          Es ist Freitagnachmittag und im Schanghaier Kunstmuseum Liu Haisu sollen die „kulturellen Beziehungen und die Freundschaft“ zwischen China und Deutschland gefeiert werden. Die Kulturabteilung des deutschen Konsulats hat eine beeindruckende Ausstellung über das Thema Zeit auf die Beine gestellt. Die Kunstwerke, die in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind, wurden geschaffen von Künstlern aus beiden Ländern. Doch bei der Eröffnung ihrer Ausstellung sind die Deutschen nur Randobjekt. Auf einem Monitor an der Seite bleiben die Gesichter der drei Frauen stumm. Sie haben kein Visum für die Einreise nach China erhalten, so wie die meisten Nicht-Chinesen seit Beginn der Pandemie.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          So wie die deutschen Künstlerinnen nicht sprechen dürfen, vermeidet die Leiterin des Museums auch das Wort „Covid“, doch der deutsche Generalkonsul adressiert den Elefanten im Raum und spricht von den „Herausforderungen“, der die deutsch-chinesischen Beziehungen zwei Jahre nach Beginn der Pandemie ausgesetzt seien. Jeder Ausländer im Raum weiß, was damit gemeint ist: Einreisevisa erteilt die Volksrepublik seit zwei Jahren nur noch nach einer nervenaufreibenden Prozedur nur noch an jene, die nachweisen können, dort einer für Steuerbehörden und lokale Beschäftigte bedeutenden Tätigkeit nachzugehen. Künstler fallen nicht darunter.

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          Der Grund dafür zeigt sich fast jeden Abend in den Hauptnachrichten des Staatsfernsehens, wo von Deutschland ein weit weniger einfühlsames Bild als in der Ausstellung im Liu-Haisu-Museum gezeichnet wird. Vor dem Blaulicht von Krankenwagen, die mit quietschenden Reifen vor deutschen Krankenhäusern halten und unter Sauerstoffmasken röchelnde Infizierte ausladen, wird den Zuschauern anhand von Säulendiagrammen die jüngste katastrophale Covid-Statistik der Bundesrepublik erläutert: „67.186 Neuinfektionen und 446 Tote an einem einzigen Tag.“

          Das weit größere China dagegen meldete am Donnerstag nur 96 Neuinfektionen und null Todesfälle. Laut offizieller Statistik sind seit Ausbruch des Virus in Wuhan überhaupt nur 4636 Menschen daran gestorben, 4 Prozent der Anzahl der von Deutschland gemeldeten Covid-Toten. Vor 10 Tagen veröffentlichte die Peking-Universität eine Studie von Mathematikern, nach der bei einer Öffnung von Chinas Grenzen mit einem „kolossaler Ausbruch“ mit 640.000 Neuinfektionen pro Tag zu rechnen sei, der einen „verheerenden Effekt“ auf das Gesundheitssystem habe und das Land in ein „Desaster“ führen würde.

          Stimmung unter den Ausländern kippt

          Wu Zunyou, Chefepidemiologe des Nationalen Seuchenbekämpfungszentrums, taxiert die Zahl der Toten auf 950.000, sollte China seine strikte Null-Covid-Strategie aufgeben, während sich die Omikron-Variante des Virus in der Welt breit macht. Wie dicht der Staat in der Folge die Grenzen weiter verschlossen hält, zeigt die Zahl der internationalen Flüge. Pro Woche sind es mittlerweile 200. Vor der Pandemie waren es 9090 – ein Rückgang um 98 Prozent. Weil zudem Flüge ausgesetzt werden, wenn diese bei vorhergehenden Landungen im Land mit dem Virus infizierte Passagiere an Bord hatten, nimmt die Zahl der Verbindungen nach China ab, nicht zu.

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