https://www.faz.net/-gqe-987bh

Zukunft der Energiebranche : Wann wird Strom endlich billig?

Ein deutscher Durchschnittshaushalt zahlt im Jahr rund 250 Euro allein für die Stromnetze. Bild: dpa

Die Energiewende lassen sich die Deutschen einiges kosten. Und die Stromkonzerne verlieren ihre Identität. Da läuft etwas schief.

          7 Min.

          Zwanzig Jahre ist es her, da ward der Menschheit eine goldene Zukunft verheißen. Genauer gesagt: Die Stromverbraucher in Deutschland sollten es fortan besser haben. Das Zauberwort dafür hieß Liberalisierung. Befreit wurden die Deutschen von der traditionellen Territorialherrschaft ihrer örtlichen Energieversorger. Zuvor hatte allein der Wohnort bestimmt, von wem man seinen Strom bezog. Die Stadt- und Überlandwerke machten sich untereinander keine Konkurrenz, keiner wilderte im Revier des Nachbarn; wem in einer Stadt oder einem Landkreis das Stromnetz gehörte, der lieferte dort auch den Strom. Das war eine übersichtliche Angelegenheit, aber leider nicht immer besonders effizient. Nun aber durften die Kräfte des Wettbewerbs ran, auf dass der Kunde die Wahl habe und der Strompreis sinke.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So groß war dieser ordnungspolitische Einschnitt, dass sich die gesamte Energiebranche in Deutschland neu sortierte. Nach Ansicht der Strategen in den Firmenzentralen erforderte nämlich der neue Konkurrenzkampf, den sich die Stromanbieter um die Verbraucher liefern sollten, eine Etage darüber bei den Kraftwerken eine Bündelung der Marktanteile in der Hand weniger schlagkräftiger Firmen. Um die Jahrtausendwende nahmen so die vier großen Energiekonzerne Form an, die in Deutschland bis heute den Ton angeben: RWE baute seine starke Stellung im Westen durch Übernahmen aus. Die ehemals staatlichen Mischkonzerne Veba und Viag schlossen sich unter dem Kunstnamen Eon zum größten Stromerzeuger im Land zusammen. Im Osten bekam der schwedische Staatskonzern Vattenfall, der sich zuvor schon in Hamburg und Berlin eingekauft hatte, den Zuschlag für die einst volkseigenen Kraftwerke und Stromnetze der untergegangenen DDR. Und im Südwesten fusionierten der größte badische und der größte schwäbische Anbieter zur neuen Firma ENBW. Fertig war das Oligopol, gemeinhin die beste Voraussetzung für stabile Geschäfte.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung

          : blackweek20

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          First Daughter Ashley Biden : Ganz anders als Ivanka

          Die First Daughter Ashley Biden hat eine bewegte Vergangenheit. Die starke Schulter ihres Vaters strapazierte sie oft. Heute ist sie Sozialarbeiterin. Ganz auszuschließen scheint sie eine Beraterrolle im Weißen Haus aber nicht.

          Diego Maradona : Die Schönheit des Spiels

          Keiner verkörperte den Fußball wie Diego Maradona – und das nicht trotz, sondern vielleicht gerade wegen seiner vielen Schwächen. Eine Würdigung dieser Jahrhundertfigur des Sports.

          Querdenker und Reichsbürger : Audienz bei König Peter I.

          Die Gruppe der „Querdenker“ grenzt sich öffentlich von Extremisten ab. Im Geheimen trafen sich Gründer Michael Ballweg und Mitstreiter jedoch mit einem Reichsbürger. In der Bewegung rumort es, der schillernde Pressesprecher nimmt seinen Hut.