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Wall-Street-Eliteschmiede : Goldman und seine Talente

Nach nur anderthalb Jahren steht Jon Corzine vor einem Scherbenhaufen Bild: dapd

Die Wall-Street-Bank Goldman Sachs gilt als Schmiede für Supertalente. Der Sturz von Jon Corzine kratzt an diesem Mythos. Er ist nicht der einzige ehemalige Goldman, der gestrauchelt ist.

          Jon Corzine galt bis vor kurzem als klassischer Absolvent der Wall-Street-Eliteschmiede Goldman Sachs. Er hatte es in einer mehr als zwanzigjährigen Karriere vom Anleihehändler bis an die Spitze der berühmten Investmentbank gebracht. Nach dem - in seinem Fall unfreiwilligen - Abschied von Goldman wechselte er wie viele vor ihm in die Politik. Die bei Goldman verdienten Millionen finanzierten Corzines Wahlkampf, und er zog für fünf Jahre als Vertreter von New Jersey in den amerikanischen Senat ein.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Es folgte eine Amtszeit als Gouverneur dieses wichtigen Bundesstaates. Nach seiner verlorenen Wiederwahl ging Corzine zurück an die Wall Street, wo er das bis dahin unbekannte Wertpapierhaus MF Global groß machen wollte. Eine Art Mini-Goldman sollte es werden. Nach nur anderthalb Jahren steht Corzine nun vor einem Scherbenhaufen. MF Global meldete am Montag dieser Woche Insolvenz an; Corzine trat am Freitag zurück. Es ist die achtgrößte Pleite in der amerikanischen Unternehmensgeschichte.

          Kritiker sprechen gerne von „Government Sachs“

          Das spektakuläre Scheitern von Corzine kratzt jetzt nicht nur am Ruf des 64 Jahre alten Finanzmanagers, sondern auch am Mythos von Goldman Sachs. Denn Goldman galt bisher als Magnet für die besten Talente und als Hort für exzellentes Risikomanagement. Das weite Netzwerk von ehemaligen Goldmännern in Schlüsselpositionen von Politik und Finanzwirtschaft ist legendär. Kritiker sprechen zwar gerne von „Government Sachs“, so als sei die amerikanische Regierung fest in der Hand von Gold-Männern.

          Aber gleichwohl ob es sich um Goldman-Bewunderer oder Goldman-Hasser handelt - die Fähigkeiten der Leute von Goldman Sachs stellte bislang kaum jemand in Frage. „Diese Leute sind mit Heiligenschein herumgelaufen. Und nirgends waren die Mythen größer als bei Goldman“, sagte William Cohan, ehemaliger Investmentbanker und Autor eines Buches über die Bank der „New York Times“.

          Dass sich Corzine überhaupt auf das Abenteuer MF Global einließ, hat er einem anderen ehemaligen Gold-Mann zu verdanken: Christopher Flowers

          Zum illustren Netz der Ehemaligen gehört etwa der langjährige Goldman-Vorstandschef Henry „Hank“ Paulson, der Corzine 1999 nach einem internen Machtkampf aus der Investmentbank gedrängt hatte. Paulson war zuletzt Finanzminister unter Präsident George W. Bush und führte die rasche amerikanische Reaktion auf die eskalierende Finanzkrise an. Berühmte Hedgefonds-Manager wie Richard Perry oder Edward Lampert lernten ihr Geschäft in den Handelsabteilungen von Goldman. Auch der Vorstandschef des Börsenkonzerns Nyse Euronext, Duncan Niederauer, verbrachte lange Jahre beim Wall-Street-Primus.

          Aber Corzine ist nicht der Einzige der Ehemaligen, der trotz eines Rufes wie Donnerhall gescheitert ist. Robert Rubin, Co-Vorstandschef von Goldman Anfang der neunziger Jahre und später Finanzminister unter Präsident Bill Clinton, hinterließ zuletzt bei der Großbank Citigroup einen schlechten Nachgeschmack. Rubin, Mentor einer ganzen Generation von erfolgreichen Hedgefonds-Managern, war nach seinem Rücktritt als Finanzminister als strategischer Berater zur Citigroup gekommen. Er bekam ein Büro neben dem Vorstandschef, eine zweistellige Millionen-Dollar-Vergütung und gehörte als „Vorsitzender des Exekutivausschusses“ zum engeren Führungszirkel der Bank.

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