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Waldbrände : Australien kämpft gegen Feuer und Corona

Ein Schild mit der Aufschrift „National Park" steht beschädigt auf dem durch Buschfeuer verbrannten Waldboden. Bild: dpa

Erst Buschbrände, dann die Corona-Krise: Die australische Regierung erhöht die Hilfszahlungen weiter. Arbeitslosigkeit und Firmenzusammenbrüche führen zu Rekorddefizit über Jahre.

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          Auch wenn sie durch die Corona-Krise in den Hintergrund gerieten, belasten die verheerenden Waldbrände die Australier weiter. Der Steuerzahler werde „deutlich mehr als 2 Milliarden Australische Dollar“ für die Schäden und den Wiederaufbau zahlen, kündigte Ministerpräsident Scott Morrison an. Zugleich versprach er kurz vor Lokalwahlen weitere Hilfen im Wert von 650 Millionen Australischen Dollar (391,44 Millionen Euro) für das Ankurbeln der betroffenen Gemeinden.

          Christoph Hein
          (che.), Wirtschaft

          Die Regierung hätte erwartet, die Ausgaben der neuen Behörde zum Wiederaufbau werde im ersten halben Jahr nach den Bränden bei rund 500 Millionen Australischen Dollar liegen – in Wirklichkeit überträfen sie schon jetzt mehr als eine Milliarde Dollar, berichtete Morrison. Die Analysten von Deloitte warnten zeitgleich: „Unser Land tritt mit hoher Arbeitslosigkeit, einem von Angst gesteuerten Privatsektor, einer Zentralbank ohne weitere Munition und schwachen Exportmärkten in die Erholungsphase ein.“

          Bis jetzt sei rund ein Drittel der Aufräumarbeiten nach den Feuern erledigt, der Rest solle bis Ende August erfolgen, sagte Morrison. Zerstört wurde eine Fläche, die mehr als ein Drittel Deutschlands misst. Rund 19000 Familien waren direkt von den Feuern betroffen. Viele Gemeinden in den küstennahen Feriengebieten in der Nähe von Canberra oder Melbourne leiden doppelt: Zum einen verloren sie die Sommerurlauber durch die Buschfeuer, dann verhinderte Corona den Gästeverkehr.

          „Dieselben Gemeinden, die am meisten unter den Buschbränden litten, leiden unter den Folgen von Covid. Die Auswirkungen sind verheerend", erklärte der Regierungschef. Allerdings haben auch viele Gemeinden in den vergangenen Wochen erklärt, Gäste seien unerwünscht, da sie Angst vor einer Ansteckung und der drohenden Überlastung lokaler Gesundheitsversorgung hatten.

          Angesichts der horrenden Ausgaben der Regierung aufgrund der Feuer und des Virus warnte die Unternehmensberatung Deloitte in Sydney, das Haushaltsdefizit Australiens drohe auf mehr als 143 Milliarden Australische Dollar anzuschwellen. Gewonnen hatte die Regierungskoalition die Wahl mit dem Versprechen, Australien zurück in einen Überschuss zu führen. Vor den Feuern war dies fast erreicht.

          Schatzkanzler Josh Frydenberg wird sich am Dienstag zur Finanzlage äußern. Die Analysten von Deloitte rechnen damit, dass das Defizit über die nächsten drei Jahre 359 Milliarden Australische Dollar betragen werde. Im vierten Jahr, für das eigentlich Verringerungen der Einkommenssteuer geplant sind, werde es dann nur noch gut 32 Milliarden Australische Dollar betragen. Allein die Verluste aus entgangener Einkommenssteuer durch die steigende Arbeitslosigkeit dürften in diesem und dem nächsten Fiskaljahr (30. Juni) auf 50 Milliarden Australische Dollar anschwellen, diejenigen aus entgangenen Unternehmenssteuern könnten bei 26 Milliarden Australischen Dollar liegen.

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