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Wald im Wandel : Sieben Thesen für die Forstwirtschaft der Zukunft

  • -Aktualisiert am

5.Schützt die Arbeitsplätze der Forstwirtschaft in strukturschwachen Regionen

Wir schließen bis 2038 die Braunkohletagebaue in der Lausitz und in Sachsen-Anhalt, was den Verlust tausender Arbeitsplätze zur Folge hat. Wollen wir gleichzeitig in diesen Regionen auf die Forstwirtschaft und damit die daran hängenden Arbeitsplätze verzichten? Die wenigsten wissen es: Der Wald in Deutschland ist auch wirtschaftlich von erheblicher Bedeutung. Überwiegend in strukturschwächeren Regionen beschäftigt das Cluster Forst 1,2 Million Menschen und erzielt einen Umsatz von 180 Milliarden Euro pro Jahr.

6. Nationalparks in der heutigen Form sind ein Problem

Nationalparks wie im Harz oder im Bayerischen Wald sollten eine Vorbildfunktion für die Waldentwicklung haben. Tatsächlich sind diese „Parks“ teilweise Mondlandschaften: Der Wald ist abgestorben und ersetzt durch Sukzessionsgesellschaften mit einzelnen Baumgruppen, ein Zustand, bei dem ein privater Waldbesitzer regelmäßig von den Forstbehörden eine amtliche Aufforderung zur Wiederaufforstung erhält. In den Nationalparks verbleibt zudem das gesamte tote Holz auf den Flächen. Dadurch sind diese Flächen in ihrer CO2-Bilanz im Vergleich zu bewirtschafteten Wäldern deutlich schlechter.

Als CO2-Emittent sind diese Flächen übergangsweise so etwas wie der deutsche Mini-Amazonas. Der unbewirtschaftete Wald ist zudem eine Brutstätte für Schädlinge. Derzeit sehen wir dies im Harz, in dem der Wirtschaftswald rund um den Nationalpark nun schwerstens durch den Borkenkäfer geschädigt ist und großflächig abstirbt. Viele Waldbesitzer, die sich nicht mehr um ihren Wald kümmern können oder wollen, können auf dieses Vorbild verweisen. Dies ist allerdings für ihre Nachbarn, die ihren Wald bewirtschaften, eine Katastrophe. Daher ist es in Zeiten des Klimawandels notwendig, das Nationalparkkonzept grundlegend zu reformieren.

7. Forstwirtschaft benötigt und verdient mehr Förderung

Viele Wälder sind durch die Folgen des Klimawandels in ihrer Existenz bedroht. Die Reparaturmaßnahmen werden erhebliche finanzielle Anstrengungen erforderlich machen. Anders als die Landwirte erhalten die Waldbesitzer bislang keine flächenbezogenen Zuschüsse. Die Waldflächen erzeugen eine Vielzahl öffentlicher Güter, also Güter, die wir alle dringend brauchen, die aber bis heute nicht vergütet werden. Dies sind vor allem die CO2-Bindung/-Senke, die Wasserreinigung/Wasserspeicherung, die Luftreinigung und Produktion von Sauerstoff und der Erholungsraum/Tourismus.

Daher schlagen die Waldverbände vor, dass die Waldbesitzer zumindest für die Leistung als CO2-Speicher eine flächenbezogene Vergütung erhalten. Wenn ein Wald durch seinen Zuwachs durchschnittlich 5 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr bindet und der aktuelle Zertifikatpreis von 25 Euro pro Tonne CO2 zugrunde gelegt wird, dann ergibt sich daraus eine mögliche Vergütung dieser Leistung von 125 Euro pro Jahr und Hektar.

Der Wald liegt uns am Herzen. Wir werden uns dafür weiter mit aller Kraft einsetzen. Frei nach Martin Luther: Selbst wenn wir wüssten, dass die Welt morgen untergehen würde, werden wir nicht nur einen Baum pflanzen, sondern ganze Wälder begründen.

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