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Wahlkampf in Amerika : Schwache Kandidaten

Die demokratischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, Bernie Sanders (l) und Joe Biden Bild: dpa

Joe Biden hat das Momentum auf seiner Seite, jetzt, wo der im gleichen politischen Spektrum wildernde Bloomberg die Segel gestreckt hat. Doch ein Sieg gegen Trump? Da sind Zweifel angebracht.

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          Die Kandidatenkür der Demokraten läuft auf einen Zweikampf hinaus. Der eine Kandidat ist Joe Biden, ein 77 Jahre alter Mann, der gelegentlich von Alters-Konfusion heimgesucht wird und wenig Schaffenskraft ausstrahlt. Für ihn sprechen politische Erfahrung, Anstand und eine Fähigkeit zum Mitgefühl. Amerika mag diesen Mann, wie Kinder ihre Lieblingspatenonkel mögen. Er steht für Reformen und will, dass die Amerikaner netter miteinander umgehen.

          Der Alternativ-Kandidat Bernie Sanders ist 78 Jahre alt, hatte kürzlich einen Herzinfarkt und will das Wirtschaftssystem radikal umbauen. Der demokratische Sozialist hat in seinen Dekaden im amerikanischen Kongress wenig zustande gebracht. Kein Wunder, seine Fähigkeit zu Kompromissen ist gering. Zugleich ist das Teil seiner Attraktivität: Sanders ist sich immer treu geblieben.

          Beide sind keine schlechten Männer. Doch ein Auswahlsystem, das für die wichtigste Wahl des Landes diese mediokren Kandidaten ausspuckt, verdient eine kritische Betrachtung. Nicht alles ist falsch. Das System hat immerhin gezeigt, dass Geld nicht allein entscheidend ist. Der Milliardär Michael Bloomberg ist verspätet in den Wahlkampf eingestiegen. Er hat seitdem eine halbe Milliarde Dollar ausgegeben für Wahlwerbung, 2500 Mitarbeiter und zur Entwicklung von Computer-Algorithmen mit dem Zweck, die Wähler zielgenau anzusprechen.

          Nie hat eine von Bloomberg getätigte Investition so spärliche Rendite abgeworfen. Er hat in Bundesstaaten verloren, in denen der Sieger Biden keinen Nickel ausgeben konnte, weil er blank war. Eine kleine tröstende Nebenerkenntnis ist, dass Algorithmen doch keine Wunder vollbringen, was russischen Hackern das Geschäft verdirbt.

          In amerikanischen Medien ist stets viel vom Momentum die Rede. Eine Wahlkampagne die richtig in Fahrt kommt, ist schwer zu stoppen, lautet die Vorstellung. Joe Biden hat jetzt das Momentum auf seiner Seite. Das gilt umso mehr, weil der im gleichen politischen Spektrum wildernde Bloomberg die Segel gestreckt hat und ihm nun helfen will. Das könnte für die Nominierung reichen. Doch ein Sieg gegen Trump? Zweifel sind angebracht.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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