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Wahlen in Brasilien : Zwischen Pest und Cholera

  • -Aktualisiert am

Früher war alles besser: Eine Demonstrantin hält eine Maske mit dem Bild des inhaftierten Expräsidenten Lula hoch. Bild: dpa

Die Jahre des Aufschwungs sind vorbei, das Land steckt fest zwischen Frust und Nostalgie. Bei der Wahl des Präsidenten sehnen sich einige nach der Ordnung der Militärdiktatur. Die Wirtschaft hat sich schon entschieden.

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          Genau neun Jahre ist es her, da lagen sich die Brasilianer glücklich in den Armen. Im Oktober 2009 erhielt Brasilien den Zuschlag für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016, zusätzlich zur Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2014. An der Copacabana wurde eine gigantische Party gefeiert. Der damalige Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva weinte hemmungslos vor Freude. Das sei der bewegendste Moment seines Lebens, sagte Lula, der in seiner unvergleichlichen Karriere vom Schuhputzer zum Arbeiterführer und schließlich ins höchste Staatsamt aufgerückt war. Brasilien schien endlich in der Zukunft angekommen, von der schon der Schriftsteller Stefan Zweig Anfang der vierziger Jahre in seinem brasilianischen Exil geschwärmt hatte.

          Doch wenige Jahre später, noch bevor das erste der beiden sportlichen Großereignisse in Brasilien überhaupt begonnen hatte, war der Zauber verflogen. Erstmals seit der Rückkehr zur Demokratie zogen 2013 Millionen Brasilianer auf die Straße, um gegen teure WM-Bauten und die schlechte Qualität von Bildung und Gesundheit zu demonstrieren. Der Frust nahm zu, als klar wurde, dass enorme Summen auf öffentlichen Kassen in einem unermesslichen Korruptionssumpf versickert waren. Ausgerechnet zwischen der WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016, die Brasilien endgültig als einen führenden Player der Weltgemeinschaft etablieren sollten, versank das Land in der schwersten Wirtschaftskrise seiner jüngeren Geschichte. Erholt hat es sich bisher kaum.

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