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Bundeswehr : Bedingt einsatzbereit

Am schlimmsten ist es beim nagelneuen NH90: Nur fünf von 23 Helikoptern können fliegen. Bild: dpa

Die Bundeswehr zieht nach Syrien in den Krieg. Ist sie dafür bereit? Der aktuelle „Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme“ liest sich wie ein einziges Dokument des Versagens.

          Vergebens rückten die drei Generäle am Mittwoch im Bundestag an. Für den neuesten Mängelbericht der Bundeswehr sollten sich die Chefs der drei Waffengattungen Heer, Luftwaffe und Marine vor den Abgeordneten rechtfertigen: für Gerät, das nicht funktioniert, weil Ersatzteile und Techniker fehlen.

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Doch zu ihrem Auftritt kam es gar nicht mehr. Denn kurz vorher war der Ernstfall eingetreten: Die Armee soll Frankreich beispringen, in Syrien die Terrormiliz „Islamischer Staat“ zu bekämpfen. Angela Merkels erster eigener Krieg hatte nun Vorrang für den Verteidigungsausschuss. Wegen des Einsatzes muss die Frage, ob die Bundeswehr für Einsätze überhaupt bereit ist, bis Januar warten.

          Die vier bis sechs Tornados, die über Syrien fliegen sollen, seien allemal startklar, beruhigt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Das sind bescheidene Ansprüche. Denn ausgerechnet um dieses Flugzeug, das mit seinem „Reconnaissance Pod“ für Aufklärungsflüge so dringend benötigt wird, steht es besonders schlecht: Von den insgesamt 93 angeschafften Jagdbombern stehen – wegen Erprobung und Instandsetzung – ohnehin nur 66 Stück zur Verfügung. Davon sind wiederum nur 29 Flugzeuge einsatzbereit.

          Dokument des Versagens

          Und um den Tornado geht es nicht allein. Der aktuelle „Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr“, den das Verteidigungsministerium diese Woche an die Abgeordneten verschickte, liest sich von vorne bis hinten wie ein einziges Dokument des Versagens – vor allem, was das Fluggerät betrifft. Um das Jagdflugzeug Eurofighter steht es nur wenig besser als um den Tornado, hier liegt die Einsatzbereitschaft bei 55 Prozent. Beim wichtigsten Transportflugzeug der Truppe, der Transall, beträgt die Quote 57 Prozent.

          Unterboten wird das von der Hubschrauberflotte. Am schlimmsten ist es beim nagelneuen NH90 mit einer Einsatzbereitschaft von 22 Prozent: Nur fünf von 23 Helikoptern können fliegen. Während sich die Zuverlässigkeit anderer Waffengattungen seit dem vergangenen Jahr leicht erhöhte, ist sie beim Fluggerät gesunken – trotz aller Reformanstrengungen der Ministerin und ihrer umtriebigen Rüstungs-Staatssekretärin Katrin Suder, die vorher bei der Unternehmensberatung McKinsey arbeitete.

          Maßgeblicher Grund für die Probleme, so heißt es in dem Bericht immer wieder, sei „die mangelnde Verfügbarkeit verschiedener Ersatzteile“. Wie kann es sein, dass die Bundeswehr in den Krieg ziehen will – und dabei an Ersatzteilen so schnöde scheitert wie die Deutsche Bahn am Betrieb von Kaffeemaschinen und Toiletten in ihrer ICE-Flotte?

          Liegt nicht am Alter

          Am schieren Alter der Flugzeuge liegt es nicht. Zwar wurde der Tornado von einer Airbus-Vorgängerfirma nur bis 1999 hergestellt. Aber selbst nach Jahrzehnten ist ein Flieger bei guter Wartung immer noch voll einsatzfähig, das gilt für militärische wie für zivile Jets. Auch die Ersatzteile gibt es noch. Doch anders als beim VW Golf werden sie nicht auf Halde produziert, sondern auf Bestellung – und zwar ganz überwiegend nicht von Airbus selbst, sondern von kleineren Zulieferern. „Dafür brauchen sie einen gewissen Vorlauf“, sagt ein Airbus-Sprecher. „Das können bis zu zweieinhalb Jahre sein.“

          Deshalb hielt die Armee bis vor einigen Jahren die Ersatzteile selbst auf Lager. Im Zuge der Bundeswehrreform kürzte der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière die Budgets für Lagerhaltung und Ersatzteile jedoch drastisch, wie es bei Airbus heißt. Es gab damals andere Prioritäten. Von der Leyen, um Offenheit zu Lasten der Vorgänger nie verlegen, gibt das auch zu. „Was das Thema Ersatzteile betrifft, hat Airbus recht“, heißt es aus dem Ministerium.

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