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Waffenindustrie : Australien rüstet massiv auf

Scott Morrison spricht an der Australian Defence Force Academy in Canberra Bild: Reuters

Ministerpräsident Scott Morrison warnt vor den Herausforderungen durch Chinas expansive Politik. Deutsche Waffenlieferanten haben bei der gefragten Hochtechnologie weniger Chancen.

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          Aufgrund der wachsenden Spannungen in seinem Vorhof erhöht Australien seinen Rüstungsetat um 35 Prozent gegenüber früheren Vorhersagen. Er dürfte damit auch dauerhaft mehr als 2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung übersteigen. Der fünfte Kontinent will in den nächsten zehn Jahren 270 Milliarden Australische Dollar (165,34 Milliarden Euro) für den Ausbau seiner Verteidigung ausgeben, erklärte Ministerpräsident Scott Morrison. In den vergangenen Jahren hatte die deutsche Rüstungsbranche von Australiens Aufrüstung profitiert, etwa beim Verkauf von Kriegsschiffen, Nutzfahrzeugen und Panzern. Verloren ging allerdings der umworbene Großauftrag für den Bau von Unterseebooten, um den sich Thyssen-Krupp beworben hatte.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          „Es gibt eine neue Dynamik des strategischen Wettbewerbs und das mehr oder weniger wohlwollende Sicherheitsklima, das Australien – ungefähr seit dem Fall der Berliner Mauer bis zur globalen Finanzkrise – genossen hat, ist vorbei“, sagte Morrison laut seinem Redemanuskript vor australischen Kadetten. In der neuen Wendung der Aufrüstungsspirale werden deutsche Hersteller wohl weniger Chancen haben: Die australische Regierung plant nun erstmals, Langstreckenraketen zu kaufen. Analysten erwarten, dass Canberra zunächst 200 Raketen der amerikanischen Marine für rund 800 Millionen Australische Dollar erwerben werde. Die Anti-Schiffs-Raketen haben eine Reichweite von 370 Kilometern und damit mehr als doppelt so viel, wie die derzeitigen Raketen der australischen Marine. Darüber hinaus prüft die Regierung Entwicklung oder Kauf von Raketen mit wesentlich größerer Reichweite.

          Ohne Zwang und Angst

          „Wir müssen die Wirklichkeit ins Auge fassen – wir haben uns in eine neue und weniger wohlwollende strategische Ära bewegt“, heißt es bei Morrison mit Blick auf das immer aggressivere Auftreten Chinas. „Eine Ära, in der die Institutionen und Muster für eine Zusammenarbeit, die über Jahrzehnte unserem Wohlstand und unserer Sicherheit gedient haben, unter wachsende Belastung kommen. Das Risiko einer Fehleinschätzung – und sogar eines Konfliktes – wächst. Fähigkeiten und Erreichbarkeit wachsen. Nötigungen sind weit verbreitet.“

          Die Marine soll mit weiteren 75 Milliarden Australischen Dollar ausgebaut werden, für die Luftwaffe stehen 65 Milliarden, für die Landstreitkräfte 55 Milliarden Dollar zur Verfügung. 50 Milliarden sollen in Gemeinschaftsprojekte mit Partner fließen, wie etwa die Entwicklung von Überschallwaffen. Zusätzliche 15 Milliarden Dollar gehen in die Abwehr von Angriffen über das Internet – nachdem Australien gerade einem großen Hackerangriff ausgesetzt war, von dem Analysten überzeugt sind, er habe aus Peking gestammt, obwohl China dies bestreitet. Allein 7 Milliarden Australische Dollar sind der militärischen Raumfahrt gewidmet.

          Ohne die Diktatur China an dieser Stelle zu erwähnen, wollte Morrison keine Zweifel lassen, an wen er bei seiner Beschreibung der neuen Verteidigungsmöglichkeiten denkt: „Wir haben die Freiheit, unsere Leben so zu leben, wie wir sie gewählt haben – in einer offenen, demokratischen Gesellschaft, ohne Zwang oder Angst. Wir planen nicht, unsere Nachbarn einzuschüchtern oder zum Schweigen zu bringen. Wir respektieren ihre Eigenständigkeit. Und wir erwarten, dass sie unsere respektieren. Souveränität bedeutet Selbstrespekt. Die Freiheit, man selbst zu sein. Unabhängigkeit und freies Denken. Wir werden das nicht aufgeben, niemals.”

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