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Währungsumstellung : Von Schweden und Dänen und dem Euro

  • Aktualisiert am

Im Norden von unterschiedlicher Attraktivität Bild: dpa

Unterschiedlich waren die Reaktionen auf den reibungslosen Übergang zum Euro in Skandinavien: die Schweden wollen ihn bald, die Dänen warten ab.

          2 Min.

          Auch im hohen Norden hat der Eurostart einhellig gute Noten bekommen. Höchst unterschiedlich aber sind die Schlussfolgerungen in eigener Sache bei den Währungs-Außenseitern Dänemark und Schweden ausgefallen, die den Euro selbst noch nicht als Währung eingeführt haben.

          Während in Stockholm alle politischen Kräfte von Regierungschef Göran Persson bis zu den entschiedensten EU-Gegnern jetzt eine schnelle Volksabstimmung über den schwedischen Beitritt zum Euro verlangen, herrscht in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen Funkstille. Hier bereitet man sich praktisch auf die Euro-Invasion durch deutsche Touristen im Sommer vor, hält sich aber politisch völlig bedeckt.

          Aufgabe der D-Mark als Akt der Solidarität

          Persson nutzte zum Jahreswechsel die erhöhte Aufmerksamkeit für die EU-Währung und immer positivere Euro-Umfrageergebnisse, um erstmals die Möglichkeit eines Referendums kurz nach den Wahlen Mitte September anzudeuten. Der Sozialdemokrat tritt selbst seit langem öffentlich als Anhänger eines schwedischen Euro-Beitritts auf, ist dabei aber auch stets ein vorsichtiger Taktiker gegenüber den starken euroskeptischen Kräften in seiner eigenen Partei geblieben. Nun lobte Persson den Euro in besonders kräftigen Wendungen als Friedensprojekt und hob besonders Deutschlands Aufgabe des Stabilitätssymbols D-Mark als „gewaltigen Akt der Solidarität“ heraus.

          "Der Euro ist unter uns"

          Die im letzten Jahr im Wert stark abgesackte Schweden-Krone zog angesichts der Aussicht auf ein frühzeitiges Euro-Referendum nach Neujahr sofort kräftig an. „Der Euro ist bald mitten unter uns“, überschrieb „Svenska Dagbladet“ am Donnerstag ihren Leitartikel. „Sydsvenskan“ in Malmö mahnte am selben Tag das Aufgeben der bisherigen Haltung der Stockholmer Führung an, die erst den endgültigen Erfolg des Brüsseler Währungsprojektes abwarten wollte: „Es ist an der Zeit, dass auch Schweden sich dazu durchringt, etwas zu wagen.“

          Jetzt auch ohne die Briten

          Aus eher praktischen Zwängen werde es wohl letztlich erst im kommenden Frühjahr ein schwedisches Euro-Referendum geben, meinen Kommentatoren in der schwedischen Hauptstadt. Politisch aber sind die Weichen auf ein möglichst zügiges Vorgehen gestellt, ohne dass jemand wie früher eine positive Euro-Entscheidung der Briten abwarten will.

          Man ist da still im Staate Dänemark

          Mucksmäuschenstill dagegen hat die „politische Elite“ im benachbarten Dänemark auf den Startschuss für das größte europäische Währungsprojekt der Geschichte reagiert. Kein Wort verlor der neue rechtsorientierte Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen in seiner Neujahrsansprache zu diesem Thema, obwohl er ein glühender Euro-Anhänger ist.

          Rasmussen hätte sein Land lieber heute als morgen dabei, hat aber das klare Nein der Dänen beim Euro-Referendum im September 2000 im Nacken. Kein Spitzenpolitiker in Kopenhagen will sich dem Verdacht aussetzen, er oder sie wolle am klar zum Ausdruck gebrachten Volkswillen herum manipulieren.

          Euro-Bindung und Kronen-Unterbewertung

          Auch die heimische Industrie hält still, weil durch die direkte Bindung der Dänen-Krone an den Eurokurs keine anderen Währungsrisiken zu erwarten sind als für die zwölf Länder der Eurozone selbst. Das ist in Schweden ganz anders, wo die Krone nach einhelliger Meinung aller derzeit gegenüber Euro und Dollar stark unterbewertet ist. Gut gefallen hat das Volvo, Ericsson und all den anderen exportabhängigen Flaggschiffen der schwedischen Industrie.

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