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Währungspolitik : Weltwirtschaft für Anfänger

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Was ist ein globales Ungleichgewicht? Was hat es mit dem Wechselkurs zu tun? Und müssen wir uns darüber Sorgen machen? Ein Grundkurs.

          2 Min.

          "Drei Dinge können den Menschen in den Wahnsinn treiben: die Liebe, der Ehrgeiz und die Beschäftigung mit Währungsfragen." Das gilt heute wie 1972, als ein verzweifelter Redakteur der F.A.Z. nach einer Tagung des Internationalen Währungsfonds ebendiesen Satz niederschrieb. Doch wenn man verstehen will, was die Weltwirtschaft in Balance hält, kommt man um die Wechselkurse nicht herum.

          Das liegt daran, dass jedes Land den Wert seiner Währung manipulieren kann, wenn es möchte - und damit Ungleichgewichte begünstigt. Das geht, rein theoretisch, so: Findet man die eigene Währung zu stark gegenüber dem Dollar, dann kauft die Zentralbank viele, viele Dollar (oder Wertpapiere, die auf Dollar lauten) und legt sie in den Tresor. Das Angebot an eigener Währung steigt, und schon wertet die eigene Währung gegenüber dem Dollar ab, Ziel erreicht. Das einzige Problem: Wenn man das länger tut, wird es sehr teuer.

          In den zwanziger und dreißiger Jahren versuchten das nichtsdestotrotz viele. Sie hofften, damit der Wirtschaftskrise zu entkommen. Denn wenn die eigene Währung unterbewertet ist, werden die inländischen Produkte im Ausland günstiger, der Export steigt, die heimische Industrie kommt in Schwung. Wenn das allerdings alle versuchen, klappt es nicht mehr. Damals endete der Abwertungswettlauf katastrophal und führte zur Überzeugung dass man feste Wechselkurse bräuchte, und letztens zu Bretton Woods.

          Heute versucht sich China an dem alten Konzept. Jahrelang hat das Land seinen Wechselkurs zum Dollar künstlich niedrig gehalten. Seit einigen Jahren wertet man zwar auf (siehe Grafik), aber viel langsamer, als es die Amerikaner gerne hätten. Sie sehen die billige chinesische Währung als Hauptgrund der globalen Ungleichgewichte auf der Welt.

          Wieso das? Wenn die Chinesen mehr nach Amerika exportieren als sie importieren, dann besitzen sie ganz viele Dollar (mit denen die Amerikaner die chinesischen Waren bezahlt haben). Die legen sie beispielsweise in Dollarpapieren an. Am Ende ist es ganz vereinfacht so, dass die Chinesen den Amerikanern Geld leihen. Je länger sie das tun, desto mehr Schulden häufen die Amerikaner an. Am Ende entsteht ein globales Ungleichgewicht.

          So weit, so klar. Doch was die Amerikaner häufig vergessen: Dazu gehören immer zwei: Ein Land, das viel exportieren will (China), und ein Land, das viel konsumieren will (Amerika). Ein Land, das viel sparen will (China), und ein Land, das sich verschulden will (Amerika). Also gibt es auch zwei Seiten, die reagieren können. Die Amerikaner könnten mehr sparen oder ihre Produktivität steigern, um so an den Weltmärkten mehr abzusetzen.

          Ungleichgewichte sind übrigens nicht prinzipiell ein Problem. Erst wenn sie sehr groß werden, also die Schulden eines Landes immens sind, wird es bedrohlich, da irgendwann immer der Verdacht aufkommt, dass die Schuldner nicht mehr zahlen können. lika.

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