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Währungsmanipulation : Peking schießt im Handelskrieg verbal zurück

  • Aktualisiert am

Dollar gegen Renminbi – aus dem Handelskrieg könnte ein Währungskrieg werden Bild: dpa

China behauptet, seine Währung nicht zu manipulieren. Gleichzeitig wirft Peking dem Kontrahenten Amerika nichts Geringeres als die Zerstörung der internationalen Ordnung vor. Für die Finanzmärkte rückt nun das gewaltige chinesische Portfolio an amerikanischen Staatsanleihen in den Blick.

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          Offiziell weist China den amerikanischen Vorwurf der Währungsmanipulation entrüstet zurück. Zentralbankchef Yi Gang erklärte, China werde sich nicht an einem „Abwertungs-Wettlauf“ beteiligen und auch nicht den Wechselkurs benutzen, um auf „externe Störungen wie Handelsstreitigkeiten“ zu reagieren. Vielmehr sorge die Zentralbank auch weiterhin für einen „stabilen und ausgeglichenen Wechselkurs“.

          Analysten dagegen sagen, der tiefste Stand des Yuan seit elf Jahren sei sehr wohl das Ergebnis einer aktiven Interventionspolitik. Der Fall des Yuan sei Folge der jüngsten Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump, sagt etwa Bo Zhuang, Chefökonom bei der Unternehmensberatung TS Lombard. Mit dem derzeitigen Wechselkurs sei „klar, dass China jetzt bereit ist, eine weitere Schwächung seiner Währung hinzunehmen“.

          Auch aus Sicht von Ökonomen ist die Sache klar. China habe laut Marcel Fratzscher vom Wirtschaftsforschungsinstitut DIW schon immer seine Währung manipuliert. „Diese Manipulation aber nun durch den Handelskonflikt zu rechtfertigen, muss zwingendermaßen zu einer Eskalation mit den USA führen“, sagte Fratzscher.

          Trump hatte vergangene Woche überraschend Strafzölle auf weitere chinesische Importe schon ab September angekündigt. Damit sind praktisch alle Waren aus der Volksrepublik, die in die USA gehen, mit Strafzöllen belegt. Ihr Wert jährlich: rund 660 Milliarden Dollar.

          Die chinesische Währung wird strikt von der Zentralbank reguliert, sie legt jeden Tag einen neuen Wechselkurs zum Dollar fest. Die Schwankung ist dabei auf zwei Prozent nach oben oder nach unten begrenzt.

          Analyst Bo hält es für möglich, dass der Yuan im Laufe des August weiter sinkt, auf 7,25 Yuan pro Dollar. Im kommenden Jahr könne der Kurs sogar die Marke 7,50 Yuan reißen, sagt er - wenn die USA zurückschlagen und alle Strafzölle auf 25 Prozent anheben.

          Doch selbst ein schwacher Yuan kann die Folgen des Handelskriegs nicht komplett ausgleichen, sagt Analyst Tao Wang von der Großbank UBS. Und ein zu schwacher Yuan kann auch die heimische Wirtschaft schwächen - Importe werden dann deutlich teurer für China, etwa das in Dollar abgerechnete wichtige Erdöl. Die Kapitalflucht, die Peking seit 2015 verschärft bekämpft, dürfte damit zudem wieder zunehmen.

          In diesem Jahr darf aus Sicht des Politbüros nichts dazwischenkommen, denn im Oktober begeht China den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik. Experte Marc Sobel, lange Zeit Beamter im US-Finanzministerium, sagt daher, China werde wohl eine zu starke Abwertung des Yuan vermeiden – könnte die USA aber mit dem Verkauf von US-Staatsanleihen unter Druck setzen. Ihr Wert in chinesischen Händen wird auf über eine Billion Dollar geschätzt: Peking ist der größte Gläubiger der Vereinigten Staaten.

          „Die meisten Leute haben nicht gedacht, dass China die Währungswaffe einsetzt, aber sie haben es getan“, sagt Stephen Roach von der Universität Yale. „Wahrscheinlich erwägen sie auch andere Möglichkeiten, und die Option Staatsanleihen sollte man nicht ausschließen.“

          An den Börsen wächst die Angst

          China weist nicht nur den Vorwurf der Währungsmanipulation von sich, sondern teilt auch kräftig gegen die Vereinigten Staaten aus. Amerika habe absichtlich die internationale Ordnung zerstört, indem es eigenmächtig und protektionistisch handele, heißt es in der Tageszeitung der Kommunistischen Partei Chinas.

          Die Abwertung war als weitere Eskalation des Handelsstreits zwischen Amerika und China gewertet worden, weil der Yuan nicht gänzlich frei schwankt, sondern durch die chinesische Notenbank beeinflusst wird.

          An den Börsen wuchs die Angst, dass Politiker beider Länder mit immer neuen Gegenmaßnahmen reagieren würden – und so das Wachstum der Weltwirtschaft abwürgen. Die Wall Street verzeichnete am Montag einen der schlechtesten Handelstage des Jahres, auch der deutsche Leitindex Dax fiel deutlich, stabilisierte sich am Dienstag aber zunächst wieder.

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