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Währungskrise der Lira : Erdogan verspricht Wirtschaftsreformen

Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei Bild: EPA

Die Türkei will das angeschlagene Vertrauen der internationalen Investoren zurückgewinnen. Deshalb verspricht Präsident Erdogan Reformen, „auch wenn sie bitter sind“. Der Kurs der Lira steigt schlagartig.

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          Vor dem Hintergrund einer schwachen Wirtschaftsentwicklung und einer dramatischen Währungsabwertung hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan weitreichende Wirtschaftsreformen in Aussicht gestellt. Vor Abgeordneten seiner Regierungspartei AKP kündigte er am Mittwoch in Ankara Schritte an, um das Investitionsklima zu verbessern und die Wirtschaftspolitik zu verbessern. Es gelte sowohl die erschöpften Devisenreserven als auch das Vertrauen in die Währung wiederaufzubauen, sagte er.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          „Wir werden unsere Ziele erreichen, indem wir eine Wirtschaftspolitik auf drei Säulen aufbauen: Preisstabilität, Finanzstabilität und makroökonomische Stabilität. Dafür bereiten wir ein günstiges Umfeld für langfristige Einsparungen und Investitionen vor“, sagte Erdogan laut einem Bericht der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Er werde nicht davon absehen, die richtige Medizin zu verabreichen, „auch wenn sie bitter ist“. Das klang wie eine Abkehr von seinem Mantra, höhere Zinsen, wie sie Ökonomen zur Bekämpfung der Inflation fordern, seien Gift für die Wirtschaft.

          Zinssätze als „Ursache der Inflation“

          Am Devisenmarkt stieg daraufhin der Kurs der Landeswährung Lira schlagartig um mehrere Prozent. Mit 7,88 Lira kostete ein Dollar so wenig wie seit Wochen nicht mehr. Erst vorigen Freitag hatten Dollar-Käufer noch 8,58 Lira für einen Dollar zahlen müssen. Auch zum Euro verbesserte sich der Umtauschkurs der Lira deutlich auf 9,30 von 10,19 Lira am Freitag.

          Der Rede Erdogans waren zwei bedeutsame Personalwechsel vorausgegangen. Am Samstag hatte er einen neuen Zentralbankgouverneur ernannt, am Dienstag einen Nachfolger für seinen am Sonntag überraschend zurückgetretenen Finanzminister und Schwiegersohn Berat Albayrak. Sein Nachfolger Lütfi Elvan hatte zugesagt, die Türkei werde die Inflation bekämpfen und bei den Staatsausgaben auf Disziplin achten.

          Das hatte bereits Hoffnungen auf einen Wechsel in der Finanz- und Geldpolitik genährt, die durch die Rede Erdogans gestärkt wurden. Er sagte, die Türkei werde sich mehr darauf konzentrieren, Vertrauen und Glaubwürdigkeit in der Wirtschaftspolitik zurückzugewinnen. Andererseits wiederholte er seine Behauptung, die Zinssätze seien „die Ursache der Inflation“.

          Das könnte allerdings die von Analysten auch nach dem jüngsten Revirement an der Notenbankspitze oft bekundete Sorge vor einer weiter erodierten Unabhängigkeit der Zentralbank wieder verstärken. Von der für den 19. November angekündigten nächsten Sitzung des Zentralbankrates erwarten Investoren eine deutliche Erhöhung des Leitzinses über das Maß von derzeit 10,25 Prozent hinaus.

          Die Türkei werde mit internationalen Investoren über Chancen und Potentiale für Engagements in der Türkei reden, sagte Erdogan laut der Agentur Anadolu. Es gehe um mehr Stabilität, Wachstum und Beschäftigung. Das Land werde in den kommenden Monaten zudem neue Schritte zur Stärkung der Rechtsstaatlichkeit unternehmen, kündigte der Präsident an.

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