https://www.faz.net/-gqe-9b63k

DIW und WTO sehen hohe Risiken : Die deutsche Wirtschaft schwächelt

  • Aktualisiert am

Baukräne stehen in Stuttgart (Baden-Württemberg) im Abendrot. Bild: dpa

Neuen Prognosen zufolge wächst die deutsche Wirtschaft langsamer. Der Handelskonflikt mit Amerika bremst – und die WTO sieht für die Weltwirtschaft gar eine Talfahrt am Horizont aufkommen.

          Das Wirtschaftswachstum in Deutschland wird nach Einschätzung von Ökonomen in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen als noch vor kurzem angenommen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) senkte am Mittwoch seine Prognose für 2018 von 2,4 Prozent im März auf jetzt 1,9 Prozent.

          Die Wissenschaftler wiesen auf einen „unerwartet schwachen Jahresauftakt“ hin und sehen „hohe Risiken“ an vielen Fronten. So könnte der Handelskonflikt mit Amerika weiter eskalieren und sich die Schuldenkrise in Italien verschärfen. Für 2019 erwartet das DIW eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,7 Prozent, vor drei Monaten hatte es noch 1,9 Prozent vorhergesagt.

          Trotz der leicht gedämpften Konjunktur sei die deutsche Wirtschaft weiter in guter Verfassung, stellte das DIW fest. Der private Konsum bleibe eine wichtige Stütze. Die Arbeitslosigkeit werde weiter zurückgehen, auf eine Quote von 5,2 Prozent in diesem und 4,9 Prozent im nächsten Jahr.

          WTO-Chef: Null-Zoll-Zone „gute Sache“

          Die Probleme mit den Vereinigten Staaten und Italien führten zu Zurückhaltung, sinkenden Investitionen der deutschen Unternehmen und geringeren Exporten, erläuterte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Im Handelskonflikt mit Amerika habe „Deutschland als exportstarke Wirtschaft sehr viel zu verlieren“.

          Der Chef der Welthandelsorganisation WTO Roberto
          Azevedo sieht erste Anzeichen einer weltwirtschaftlichen Talfahrt als Folge des amerikanischen Konflikts mit wichtigen Handelspartnern. „Wenn es zu einer Eskalation im Handelsstreit kommt, droht ein weltweiter Abschwung", sagte Azevedo dem Handelsblatt vom Mittwoch. „Und wir sehen bereits Anzeichen, dass dieser Abwärtsprozess begonnen hat.“ Bei Investitionen und Einkaufsverhalten der Firmen bestehe schon Zurückhaltung.

          Der WTO-Chef forderte die führenden Wirtschaftsnationen dringend auf, im Gespräch zu bleiben. „Wir müssen unbedingt den Dialog aufrechterhalten.“ Sonst drohe eine weitere Zuspitzung, unter der alle leiden würden, auch die Weltwirtschaft und die Bürger. Sollte es zu einem Handelskrieg kommen, würde Deutschland als stark exportorientiertes Land besonders stark leiden. „Es wird dann keine Insel geben, die davor geschützt ist“, warnte Azevedo.

          Den Vorwurf des amerikanischen Präsident Trump, die Vereinigten Staaten werde im weltweiten Handel massiv von ihren Partnern benachteiligt, wies der WTO-Chef zurück. „Amerika wird so behandelt, wie es die WTO-Regeln vorsehen“, sagte er. Diese Regeln hätte Washington mit seinen Partnern selbst vereinbart. Zum
          deutschen Handelsüberschuss äußerte er sich ausweichend. Die Idee von Trump, alle Handelsbarrieren zwischen den sieben führenden
          Wirtschaftsmächten (G7) abzubauen, nannte er „eine gute Sache“. Die Staats- und Regierungschefs sollten diese Idee weiterverfolgen.

          Weitere Themen

          Keine Angst vor Trump!

          Aktien im Handelskrieg : Keine Angst vor Trump!

          Der Handelskrieg zwischen Amerika und China spitzt sich weiter zu. Das macht es auch gefährlich für Anleger. Doch es gibt Aktien, die dagegen immun sind.

          Neues Dax-Hoch oder Störfeuer?

          Wochenausblick : Neues Dax-Hoch oder Störfeuer?

          In der neuen Handelswoche könnte die neu ausgelöste Zinssenkungsfantasie die Kurse im Dax weiter nach oben treiben. Der Weg zum Jahreshoch wäre frei, auf der anderen Seite drohen aber auch Störfeuer.

          Pilotenheld kritisiert Boeing Video-Seite öffnen

          „Sully“ schlägt Alarm : Pilotenheld kritisiert Boeing

          Mehrere Piloten fordern den US-Flugzeugbauer Boeing auf, Piloten besser zu schulen, bevor die Flieger vom Unglückstyp 737 Max nach zwei Abstürzen mit hunderten Toten wieder fliegen dürfen. Die von Boeing angebotenen Schulungen reichten nicht aus, sagt unter anderem Chesley "Sully" Sullenberger. Er schrieb mit der geglückten Notlandung mit einem Airbus auf dem Hudson in New York 2009 Geschichte.

          Topmeldungen

          Aktuell gibt es in Deutschland nur einen Bruchteil der bis 2020 anvisierten 100.000 Ladestellen.

          Elektromobilität : Strom-Tankstellen auf Staatskosten

          Im Kanzleramt findet gerade ein Autogipfel statt. Ein Thema: Elektro-Autos. Sie sind für die Industrie das nächste Milliardengeschäft. Doch die Ladesäulen soll der Staat bezahlen – mit bis zu einer Milliarde Euro. Aber muss das sein?
          Demonstranten in Cottbus im Mai 2018

          Sicherheitsbehörden und AfD : Ist Frust die Ursache?

          Es gilt, alle rechtsstaatlichen Mittel anzuwenden, um Reichsbürger aus dem Sicherheitsapparat auszuschließen. Es hilft aber nicht, allen Mitgliedern der Sicherheitsbehörden pauschal ein blindes rechtes Auge zu unterstellen. Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.