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Automobilzulieferer prüft Kauf : Wabco soll ZF Friedrichshafen den Weg in die Zukunft ebnen

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Nimmt Anlauf: Der Zulieferer ZF Friedrichshafen will offenbar mit dem Hersteller von Bremssystemen, Wabco, zusammengehen. Bild: dpa

Führen die Übernahmegespräche mit Wabco zum Erfolg, schließt ZF Friedrichshafen zu Bosch und Continental auf. Der Bremshersteller soll den Zulieferer vom Bodensee auf dem Weg in die Elektromobilität voranbringen.

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          Der drittgrößte deutsche Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen hat ein Auge auf den Bremsenhersteller Wabco geworfen. ZF bestätigte am Donnerstag Gespräche mit dem amerikanisch-belgischen Unternehmen. Der Stiftungskonzern vom Bodensee prüfe regelmäßig strategische Optionen und damit auch mögliche Akquisitionen, sagte ein Sprecher. „Auch mit Wabco haben wir ergebnisoffene Gespräche geführt.“ Es gebe aber keinerlei Beschlüsse. Wabco erklärte, es seien Vorgespräche über eine mögliche Transaktion geführt worden. Die Stadt Friedrichshafen, die über die Zeppelin-Stiftung knapp 94 Prozent an ZF hält, lehnte eine Stellungnahme ab.

          Fachleute schätzten das Volumen des Deals auf bis zu acht Milliarden Euro. Zusammen kämen ZF und Wabco auf einen Umsatz von knapp 40 Milliarden Euro und würden damit zu den Marktführern Bosch und Continental aufrücken. „Es entsteht der dritte große deutsche Zulieferer von Weltformat“, sagte Autofachmann Stefan Bratzel. Ein Kauf des Herstellers von Bremsen für Lastkraftwagen würde ZF auf dem Weg zu einem Systemlieferanten für Elektromobilität voranbringen. 2015 kaufte ZF für rund zehn Milliarden Euro TRW Automotive, um in den Wachstumsmarkt für selbstfahrende Autos zu expandieren. ZF will mehr als zwölf Milliarden Euro in die Elektromobilität und das autonome Fahren investieren.

          Der frühere ZF-Chef Stefan Sommer hatte bereits versucht, Wabco zu übernehmen. Wegen der hohen Verschuldung durch den TRW-Deal und nach dem missglückten Versuch, den schwedischen Bremsenhersteller Haldex zu kaufen, zog der Aufsichtsrat jedoch die Reißleine. Sommer verließ ZF Ende 2017 und wechselte später zu Volkswagen, wo er seither die Komponentensparte mit 80.000 Beschäftigten und weltweit 61 Werken leitet.

          ZF könnte mit Wabco zu Bosch aufschließen

          Das Interesse an Wabco habe ZF Friedrichshafen jedoch nie verloren, sagte ein Brancheninsider. Inzwischen hat der Fahrwerks- und Getriebehersteller seinen Schuldenstand mehr als halbiert. Für Sommers Nachfolger Wolf-Henning Scheider eröffnen sich damit wieder Möglichkeiten.

          Mit Wabco bekäme ZF die nötige Größe, um im Konzert der beiden Marktführer mitzuspielen, meint Bratzel. „Das ist ein wichtiger Vorteil im knallharten Wettbewerb um die Anteile an der Mobilität der Zukunft.“ Marc-Rene Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg sagte, ZF sei schon länger daran interessiert, seine Position bei Bremsen für Nutzfahrzeuge auszubauen.

          In diesem Bereich sei Wabco besonders stark. Die Daten, die Sensoren und Bremsen im Zusammenspiel mit anderen Komponenten eines Fahrzeugs liefern, sind wichtig für Assistenzsysteme und damit auch für das autonome Fahren. Ein Zukauf mache daher strategisch Sinn, sagte der Autonalyst.

          Experten rechnen damit, dass sich automatisiertes Fahren schneller bei Nutzfahrzeugen durchsetzen wird. Erst danach dürfte diese Technik auch bei Personenwagen eingeführt werden.

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