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Plattform für Elektroautos : VW-Technik soll zum Standard für Elektroautos werden

Setzt auf VW: Das Start-up e.Go Mobile Bild: Reuters

Mit einem „Elektrifizierungsbaukasten“ will VW seine Technik für Elektroautos gegenüber Drittanbietern öffnen und Standards im Massenmarkt setzen. Es gibt schon einen ersten Partner.

          Volkswagen will seinen Elektrifizierungsbaukasten (MEB), auf dem von 2020 an die neue Generation von Elektroautos von VW aufbaut, auch für andere Hersteller öffnen. „Der MEB soll als Standard der E-Mobilität etabliert werden“, sagte VW-Chef Herbert Diess am Vorabend des Genfer Autosalons, der am heutigen Dienstag beginnt. Volkswagen erwartet, durch eine möglichst umfangreiche Verbreitung seiner neuen Technik für Elektroautos und die damit verbundenen Skaleneffekte die eigenen Kosten für die Wende zur Elektromobilität deutlich zu senken.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Diess wies in Genf darauf hin, dass die Marken des Volkswagen-Konzerns bereits mit ihren Baukästen für mehrere Modelle mit Verbrennermotoren „Plattform-Profis“ seien. „Mit der MEB-Plattform übertragen wir dieses Erfolgskonzept in das Elektrozeitalter und öffnen uns Dritten“, sagte der VW-Chef. Als erster externer Partner des Wolfsburger Autokonzerns präsentiert sich in Genf jetzt die kleine Aachener e.Go Mobile AG.

          Das Aachener Unternehmen ist bekannt für die Entwicklung von Stadtautos mit Elektroantrieb. VW zeigte auf dem Genfer Automobilsalon mit seinem neuen I.D. Buggy, dass der MEB auch für Kleinserien einfach zu verwenden sei. Selbst emotionale Kleinserienautos wie der I.D. Buggy ließen sich auf der Basis des MEB „einfach und kostengünstig realisieren“, sagte Diess.

          Start-up erhofft sich Einsparungen

          Der Vorstandschef von e.Go Mobile, Günther Schuh, sagte, durch die Plattformen von VW könne sein Unternehmen „noch schneller, robuster und kostengünstiger“ bauen. e.Go Mobile gilt in Deutschland als einer der Pioniere der Elektromobilität. Schuh, der das Unternehmen 2015 gründete, war auch an der Entwicklung des Street Scooter beteiligt, mit dem sich die Deutsche Post für die Elektromobilität geöffnet hat und der heute mit mehr als 10000 verkauften Fahrzeuge der Marktführer für leichte elektrische Nutzfahrzeuge in Deutschland ist.

          Für VW ist 2019 ein Schlüsseljahr auf dem Weg zur Elektromobilität. Von Ende des Jahres an will die Marke Volkswagen mit dem I.D. Neo sein erstes digital voll vernetztes reines Elektroauto auf den Markt bringen. VW habe in einer ersten Phase rund 15 Millionen Elektroautos auf der Basis des MEB in der Planung, hieß es in Wolfsburg. Nach Informationen dieser Zeitung liegen die internen Zahlen von VW nach ersten Reaktionen der Händler auf die neuen I.D.-Autos allerdings mittlerweile deutlich über diesen 15 Millionen. Volkswagen will bis 2023 allein in die Elektromobilität rund 30 Milliarden Euro investieren.

          Bis 2025 sollen Elektroautos rund ein Viertel des Modellportfolios ausmachen. Dass VW die Wende zur Elektromobilität seit einiger Zeit schon mit Nachdruck vorantreibt, hat auch mit den deutlich verschärften Vorgaben der Politik beim CO2-Ausstoß zu tun. Auf der Basis des MEB mache VW „die individuelle Mobilität CO2-neutral, sicher, komfortabel und zugänglich für möglichst viele Menschen“, sagte Diess.

          Auch Ford soll auf die Plattform zurückgreifen

          Die Weitergabe des MEB an Dritte ist auch ein wichtiger Punkt bei den Verhandlungen zwischen VW und dem amerikanischen Automobilkonzern Ford über eine intensive Zusammenarbeit. Während sich die beiden Unternehmen bereits darauf geeinigt haben, bei der Produktion von kleinen Transportern zusammenzuarbeiten, verlaufen die Gespräche über eine Kooperation bei der Entwicklung autonom fahrender Autos dem Vernehmen nach eher zäh.

          Die Deutschen sollen sich demnach an der Ford-Gesellschaft Argo beteiligen, in dem das amerikanische Unternehmen seine Aktivitäten zum autonomen Fahren bündelt. VW setzt dagegen eher darauf, dass auch Ford die neue Elektroplattform MEB für seine Elektroautos nutzt und so hilft, die Technik auf dem Massenmarkt durchzusetzen.

          Als erster Volumenhersteller der Welt baut VW derzeit im sächsischen Zwickau ein komplettes Werk vom Verbrennungsmotor auf Elektromobilität um. Ende dieses Jahres startet nach den Plänen von Diess dort die Produktion des I.D. auf der Basis des neu entwickelten MEB auf einer ersten Produktionslinie. Die zweite Linie werde dann bis 2020 umgestellt, heißt es. Die Kapazität des Werkes soll gleichzeitig von heute 1350 auf 1500 Autos je Tag gesteigert werden. Spätestens im Jahr 2025 will allein die Marke VW weltweit mehr als eine Million Elektroautos je Jahr verkaufen.

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