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Weshare : VW gibt Carsharing-Anbieter ab

Auf einem Smartphone ist die App des Fahrdienstes Weshare installiert. Bild: dpa

Mercedes und BMW haben schon vor einem halben Jahr ihre Carsharing-Tochtergesellschaft verkauft. Jetzt gibt auch Volkswagen seinen Anbieter ab. Die ursprünglichen Ziele waren zu ambitioniert.

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          Es ist erst ein halbes Jahr her, dass die beiden Autokonzerne Mercedes und BMW im Carsharing die Reißleine zogen. Nachdem sie jahrelang erfolglos versucht hatten, ein überzeugendes Geschäftsmodell aufzubauen, gaben sie ihren gemeinsamen Anbieter Sharenow an den Opel-Mutterkonzern Stellantis ab, den nach Absatz viertgrößten Autohersteller der Welt, zu dem etwa Marken wie Fiat, Citroën, Peugeot oder Maserati gehören.

          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Jetzt steht im Markt der nächste Konsolidierungsschritt an. Der Wolfsburger Autokonzern Volkswagen gibt seinen Anbieter Weshare an Miles Mobility ab, ein Start-up, das 2016 gegründet worden war und sich seither zu einem der größten Anbieter in Deutschland aufgeschwungen hat. Dadurch werde „Carsharing in der Breite für noch mehr Kundinnen und Kunden verfügbar“, sagte Christian Dahlheim, Chef der für die Mobilitätsdienste zuständigen VW-Finanzsparte am Dienstag in einer Telefonkonferenz.

          VW spricht von einer „Partnerschaft“, die dabei helfen werde, den eigenen „Wandel zum Mobilitätsanbieter“ weiter voranzutreiben. Tatsächlich verbindet sich mit dem Schritt aber auch das Eingeständnis, dass die eigenen Ziele zum Aufbau eines Anbieters vollelektrischer, kurzfristig buchbarer Sharing-Flotten zu ambitioniert waren. Eigentlich wollte VW den Dienst Weshare binnen weniger Jahre global ausrollen. Es blieb bisher aber beim Start in Hamburg und Berlin, wo die Flotte zusammen rund 2000 vollelektrische Volkswagen ID.3 und ID.4 umfasst.

          Weshare erwirtschaftet noch keine Gewinne

          Miles hingegen zählt sich neben Sharenow zu den großen europäischen Anbietern mit einer Flotte von mehr als 9000 Fahrzeugen, zum weit überwiegenden Teil Verbrennermodelle. Aktuell ist der Anbieter in Berlin, Bonn, Düsseldorf, Duisburg, Hamburg, Köln, München und Potsdam aktiv. Im Herbst 2022 sind außerdem Brüssel und Gent hinzugekommen.

          Geplant sei nun, dass sich die Flotte „entlang der Elektrifizierung des Volkswagen Konzerns weiterentwickelt“, wie Miles-Geschäftsführer Oliver Mackprang verkündet. Schon jetzt stammten 70 Prozent der eigenen Fahrzeuge aus dem VW-Konzern. Vom kommenden Jahr an nehme man weitere 10.000 Autos der Wolfsburger ab und erhöhe so sukzessive den vollelektrischen Anteil in der Flotte. Zum Kaufpreis für Weshare samt der bestehenden Autos äußerten die Unternehmen sich nicht.

          Miles ist nach eigenen Angaben profitabel, Weshare hingegen schreibt weiter Verlust, auch wenn VW-Manager Dahlheim betont, das Minus sei nicht mehr so groß wie noch vor einiger Zeit. Zwar sei VW mit Weshare der Beweis gelungen, das vollelektrisches Carsharing technisch möglich ist. Schwierig sei aber die Kostenkalkulation. Wegen der hohen Nachfrage nach E-Autos durch private Käufer seien die Fahrzeuge für Sharing-Anbieter teuer, während Kunden der Dienste nicht bereit seien, einen Aufpreis zu zahlen, wenn sie ein Elektroauto statt eines Verbrenners über die App buchen. Profitable Geschäfte seien unter diesen Umständen derzeit nur mit gemischten Flotten möglich, wie sie Miles betreibt.

          Elektro-Volkswagen ID.4
          Elektro-Volkswagen ID.4 : Bild: Reuters

          VW betont, der Verkauf an den Partner bedeute nicht den Ausstieg aus dem Carsharing. Das Angebot von Miles sei über die eigenen Plattformen buchbar. Außerdem verfolge man auch mit dem jüngst übernommenen Autovermieter Europcar eine Strategie, die ähnliche Angebote umfasse. Ein anderes Beispiel sei Wien, wo VW über die Porsche Holding Salzburg ins Carsharing eingestiegen ist. Der Markt sei groß genug und die Partnerschaft mit Miles nicht exklusiv: „Ich glaube nicht, dass wir uns da auf die Füße treten.“

          Miles Geschäftsführer Mackprang sagte, er wolle mit seinem Unternehmen weiter expandieren, allerdings gehe es ihm nicht darum, binnen kurzer Zeit möglichst viele Städte abzudecken. Vorrang habe, das Geschäft dort zu festigen, wo man schon heute aktiv sei. Auch Miles arbeite mit diversen Partnern zusammen und werde das fortsetzen. Bündnisse wurden vor allem mit Anbietern des öffentlichen Personennahverkehrs geschlossen, etwa dem HVV in Hamburg oder der BVG in Berlin. Außerdem zählt Freenow zu den Partnern, ein Nachfolger des Hamburger Rufdienstes Mytaxi.

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