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Kraftprobe im VDA : Autobranche streitet über Elektroautos

Den E-Golf stellt Volkswagen in Dresden her. Bild: dpa

VW-Chef Diess erwartet vom Branchenverband, massiver auf Elektromobilität zu drängen. Doch der teilt diese Ansicht nicht - wie auch andere Mitglieder.

          In der deutschen Autobranche bahnt sich ein scharfer Konflikt darüber an, wie stark die Fahrzeughersteller und der Branchenverband VDA in den kommenden Jahren auf die Elektromobilität setzen. Vor allem Volkswagen-Chef Herbert Diess drückt aufs Tempo und fordert, dass der Verband der Automobilindustrie stärker auf Elektromobilität setzt. „Wir müssen uns fokussieren“, sagte er schon bei der Vorstellung der Jahreszahlen für 2018. „Technologieoffenheit ist jetzt die falsche Parole.“

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Am Sonntag bekam er Unterstützung von Porsche-Chef Oliver Blume. „Der VDA ist eine wichtige Interessensvertretung für die ganze Branche. Ein Austritt steht für mich daher nicht zur Debatte“, sagte dieser der F.A.Z., fügte aber hinzu: „Sehr wohl müssen wir aber offen, ehrlich und hart über einige Sachthemen diskutieren. Dazu gehört für mich vor allem auch die Elektromobilität. Ich erwarte mir hier gemeinsam Entschlossenheit und eine klarere Positionierung. Es geht hier nicht nur um einzelne Unternehmen, sondern um die gesamte Autoindustrie und den Standort Deutschland.“

          VW will das reine Elektroauto

          Nicht jeder in der Branche teilt diese Einschätzung und will bei der Entwicklung CO2-freier Motoren wie die Volkswagen-Marken alles auf eine Karte setzen. Auch an Brennstoffzellentechnik oder an saubereren Verbrennern wollen viele im VDA weiter arbeiten. Diess dagegen erwartet von VDA-Präsident Bernhard Mattes, den Verband eindeutiger auf die Elektrifizierung der Autos festzulegen. Es gebe „eine Reihe von Sachthemen“, über die VW sich mit dem Verband austauschen wolle, sagte ein VW-Sprecher dazu.

          Der Konzern hat sich festgelegt: Fast 70 reine Elektroautomodelle will Volkswagen in den nächsten zehn Jahren auf den Markt bringen. Nur so ließen sich die strengen CO2-Auflagen erfüllen, heißt es in Wolfsburg. Zum Elektroauto gebe es angesichts der politischen Vorgaben kommerziell in den nächsten Jahren keine Alternative. VW erwartet, dass auch der Verband alles auf eine Karte setzt und die Berliner Politik in den Forderungen nach dem Ausbau der Ladeinfrastruktur oder steuerlichen Subventionen für Elektroautos stärker unter Druck setzt. „Überzeugungsarbeit“ wolle man in der Branche leisten, hieß es. Dabei bedeute die Festlegung auf Elektromobilität nicht, die Entwicklung anderer Antriebsarten zu stoppen.

          Auch Porsche entwickelt Alternativen zur CO2-Reduzierung weiter – schon weil ein Porsche eben kein Auto wie jedes andere ist, sondern mehr oder weniger automatisch ein Oldtimer wird. Soll heißen: Die Autos mit Verbrennungsmotoren sollen auch künftig funktionieren, weshalb Porsche an der Entwicklung von sogenannter Syn-Fuels interessiert ist. Kraftstoffen, die eine bessere CO2-Bilanz haben, aber bisher noch sehr teuer sind.

          „Markt besteht nicht nur aus Herstellern“

          Mit seiner Überzeugungsarbeit wird der VW-Chef indes bei den Unternehmen auf Granit beißen, wo Technikoffenheit quasi zum Geschäftsmodell gehört: bei Zulieferern wie etwa Bosch, Conti oder ZF Friedrichshafen. Die äußern zwar nicht dezidiert Kritik an den Äußerungen von Diess, schon weil Volkswagen zu den größten Kunden der Zulieferer zählt. Ausdrücklich erklärt etwa ZF-Chef Wolf-Henning Scheider, er habe Respekt vor der Strategie von Volkswagen, sich ganz auf die batterie-elektrischen Autos zu fokussieren. Er weist jedoch auch darauf hin, dass der Markt nicht nur aus Herstellern besteht: „Am Ende muss aber der Kunde die Produkte kaufen. Und da wird es nicht nur die eine Lösung geben“, sagte Scheider dem „Tagesspiegel“.

          Auch Bosch-Chef Volkmar Denner predigt bei jeder sich bietenden Gelegenheit, man müsse es den Unternehmen überlassen, mit welcher Technologie sie zum Ziel kommen. Ausdrücklich gehört die Elektromobilität auch für Bosch zu einem wichtigen Zukunftsgeschäft. „Wir wollen Marktführer im Massenmarkt für Elektromobilität werden“, lautet Denners Ziel. Künftig gelte - „kein Elektroauto ohne Bosch.“ Das trifft vor allem auf China zu, den größten Markt für E-Mobilität. Schon jetzt seien mehr als eine Million Fahrzeuge mit Elektro- oder Hybridkomponenten von Bosch unterwegs, vom Fahrrad bis zum Lastwagen.

          Allerdings ist Bosch auch Weltmarktführer für Diesel-Technik und beschäftigt allein in Deutschland 15000, weltweit 50000 Menschen im Diesel-Bereich. Fieberhaft wird daran gearbeitet, die durch den Abgas-Skandal (an dem Bosch als Lieferant direkt beteiligt ist) in Verruf geratene Technik in die Zukunft zu retten. Mittlerweile wurden schon Motoren vorgestellt, deren Emissionen weit unter allen Grenzwerten liegen. Immer wieder weist Denner darauf hin, dass man nicht nur den unmittelbaren Fahrbetrieb, sondern auch die Herstellung des Fahrzeugs betrachten müsse. Die CO2-Gesamtbilanz von Elektroauto und Autos mit Verbrennungsmotoren liege nicht weit auseinander: „Es ist an der Zeit, nicht das eine gegen das andere auszuspielen, sondern auf beiden Seiten die richtigen Hebel anzusetzen.“

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