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Deutscher Autohersteller : VW baut sechs „Gigafabriken“ für Batteriezellen in Europa

In Salzgitter stellt Volkswagen schon Batteriezellen her. Bild: dpa

Salzgitter ist nur der Anfang: Europas größter Autokonzern kündigt Großes an in der Batterieproduktion – mit einer „Einheitsbatterie“ sollen die Kosten dramatisch sinken. Und nicht nur das.

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          Volkswagen will gemeinsam mit seinen Partnern bis Ende des Jahrzehnts in Europa sechs Gigafabriken für die Produktion von Batteriezellen errichten. So will der Konzern den steigenden Bedarf abdecken, der durch die forcierte Wende zur Elektromobilität entsteht. „E-Mobilität ist zu unserem Kerngeschäft geworden“, sagte Volkswagen-Vorstandschef Herbert Diess während einer Online-Veranstaltung, auf der das Unternehmen unter dem Namen „Power Day“ seine Pläne für Batterieproduktion und Aufbau der Infrastruktur bis 2030 vorstellte.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Zwei Ziele hat sich VW dabei gesetzt: Mit den neu geplanten Fabriken soll die Versorgungssicherheit garantiert werden. Außerdem will das Unternehmen mit einer „Einheitszelle“ die Kosten senken und so Elektroautos günstiger anbieten können.

          „Wir senken Kosten und Komplexität der Batterie und steigern gleichzeitig ihre Reichweite und Performance“, sagte Thomas Schmall, Volkswagens Technikvorstand und für die Batterieherstellung verantwortlich. Die neue Einheitsbatterie, die bis zum Jahr 2030 markenübergreifend in bis zu 80 Prozent aller Elektroautos des Konzerns verbaut werden soll, senkt die Kosten nach Angaben des Unternehmens um bis zu 50 Prozent. „Im Durchschnitt werden wir damit die Kosten für Batteriesysteme auf deutlich unter 100 Euro pro Kilowattstunde senken.“ Damit werde Elektromobilität endgültig erschwinglich.

          Antwort auf Elon Musk

          Die geplanten sechs „Gigafabriken“ sollen nach neuen, ehrgeizigen Planungen von VW bis zum Jahr 2030 Batteriezellen mit einem Gesamt-Energiegehalt von 240 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr herstellen. Die für den Standort Salzgitter schon vorgesehene Kapazität wird dabei deutlich erweitert und soll perspektivisch bis zu 40 GWh pro Jahr fertigen. In Salzgitter soll auch Design und Chemie der geplanten Einheitsbatterie entwickelt werden.

          Skellefteå in Nordschweden steht schon als zweiter Standort fest, auch hier kooperiert Volkswagen mit dem Unternehmen Northvolt. Vier weitere Werke sollen folgen – im Gespräch war zuletzt etwa eine mögliche Fertigung bei Seat inSpanien. „Damit trägt Volkswagen aktiv dazu bei, die Ziele des Grün Deals der Europäischen Union zu erreichen“, sagte Schmall.

          Der Auf- und Ausbau eigener Produktionskapazitäten bei Bauteilen für Elektromodelle ist in der Autobranche ein wesentliches Thema. Um die verschärften Klimaziele einhalten zu können, müssen die Hersteller mehr Fahrzeuge mit alternativen Antrieben in die jeweilige Flotte bringen. VW-Chef Diess sagte, „wir sichern uns langfristig die Pole-Position im Rennen um die beste Batterie“.

          Derzeit gibt es Engpässe bei den nötigen Batteriezellen – und eine erhebliche Abhängigkeit der deutschen Autounternehmen von Zulieferern vor allem aus China, Südkorea und Japan. Die von VW jetzt vollmundig angekündigten Investitionen gelten auch als Antwort auf die Pläne amerikanischen Konkurrenten Tesla. Dessen Chef Elon Musk hatte angekündigt, dass Teslas neues E-Auto-Werk bei Berlin auch die weltgrößte Batteriefabrik werden solle.

          Auf dem „Power day“ kündigte Volkswagen außerdem an, dass Schnellladenetz für E-Autos schneller auszubauen. Gemeinsam mit Partnern sollen bis 2025 gut 18.000 Schnellladepunkte in Europa  betrieben werden. Gemeinsam mit dem Mineralölkonzern BP baut VW europaweit 8000 Schnelllade-Stationen auf – ein Großteil davon in Deutschland und Großbritannien. Für das gesamte Ladeinfrastrukturprogramm wendet VW bis 2025 rund 400 Millionen Euro auf.

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