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Vorwurf des Kreditbetrugs : Ehemaliger Porsche-Vorstand Härter angeklagt

Die Verlierer der Übernahmeschlacht: Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (l.) und der nun angeklagte frühere Finanzvorstand Holger Härter. Bild: IMAGO

Der gescheiterte Versuch von Porsche, den VW-Konzern zu übernehmen, hat ein weiteres Nachspiel vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart klagt drei Manager des Sportwagenbauers wegen des Verdachts auf Kreditbetrug an. Darunter ist auch der ehemalige Finanzchef Holger Härter.

          Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Kreditbetrugs gegen Holger Härter, den früheren Finanzvorstand der Porsche Holding SE, sowie gegen zwei ehemalige Abteilungsleiter. Die Beschuldigten sollen im Bemühen um einen Kredit über 10 Milliarden Euro den tatsächlichen Finanzbedarf für Optionsgeschäfte mit VW-Stammaktien falsch angegeben haben, und zwar um 1,4 Milliarden Euro zu niedrig.

          Härter weist Vorwürfe zurück

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Porsche äußerte sich nicht zu den Vorwürfen, sondern wies lediglich darauf hin, dass es nicht um ein Urteil, sondern um eine Anklage gehe, mithin also die Unschuldsvermutung gelte. Das Unternehmen verweist außerdem darauf, dass mit der angeblich betrogenen Bank weiter gute Geschäftsbeziehungen bestehen. Härter tritt den Vorwürfen „mit Nachdruck“ entgegen, wie er unmittelbar nach Bekanntwerden der Anklageerhebung durch seine Anwältin Anne Wehnert mitteilen ließ. Verhandelt wird die Anklage vor der 11. Kammer des Landgerichts Stuttgart unter dem Vorsitzenden Richter Roderich Martis. Bis das Verfahren eröffnet wird, dürfte es einige Monate dauern.

          Offen bleibt, ob die Staatsanwaltschaft auch Anklage gegen Härter und den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wegen Marktmanipulation und Untreue erhebt. „Die weiteren Ermittlungen stellten sich als äußerst aufwendig und zeitintensiv dar“, teilt die Behörde mit. Dabei steht die Frage im Raum, ob Porsche die Öffentlichkeit und damit die Investoren über die Übernahmeabsichten getäuscht hat. Als im Oktober 2008 Porsche seine dominierende Position zu erkennen gab, schnellte der VW-Kurs auf Werte über 1000 Euro, was einigen Investmenthäusern Verluste in Milliardenhöhe brachte. Daher sind gegen Porsche entsprechende Schadenersatzklagen anhängig.

          Vorwürfe auch gegen Piëch

          Wegen der undurchsichtigen Optionsgeschäfte sieht sich mittlerweile auch der VW-Aufsichtsratsvorsitzende und Porsche-Miteigner Ferdinand Piëch mit Vorwürfen konfrontiert. Das Oberlandesgericht Stuttgart urteilte in der vergangenen Woche, Piëch habe seine Kardinalpflichten als Aufsichtsrat verletzt, weil er sich nicht kundig gemacht oder alternativ die Optionsgeschäfte mangels Durchschaubarkeit verhindert habe. Den Vorwurf der Pflichtverletzung weist Piëch zurück, er fühlt seine Aussagen falsch interpretiert.

          Der Vorwurf des Kreditbetrugs bezieht sich auf Verhandlungen Porsches mit mehreren Banken im März 2009. Damals war ein Kredit über 10 Milliarden Euro zu refinanzieren, was schon allein deswegen schwierig geworden war, weil nach der Lehman-Insolvenz einige Kreditgeber nicht mehr zur Verfügung standen. In dieser Zeit habe Porsche unrichtige Angaben über die Optionsgeschäfte mit VW-Stammaktien gemacht, ist der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, der sich dem Vernehmen nach auf Verhandlungen mit der BNP Paribas bezieht. Dabei habe ein Finanzbedarf von 4,1 Milliarden Euro im Raum gestanden. Diesen Wert habe Porsche nicht korrigiert, obwohl tatsächlich 5,5 Milliarden Euro notwendig gewesen wären, um die Optionen auf VW-Stammaktien auszuüben, erklärt Staatsanwältin Claudia Krauth. Weiter sei Porsche vorzuwerfen, dass 45 Millionen verkaufte Verkaufsoptionen auf VW-Stammaktien verschwiegen worden seien, die wiederum zu einem späteren Zeitpunkt einen hohen Finanzbedarf ausgelöst hätten.

          Der beschuldigte Holger Härter, der damals als Finanzvorstand versuchte, durch komplizierte Optionsstrukturen die Liquidität für eine Übernahme von VW zu schaffen, verweist auf das Gutachten eines „auf Optionsgeschäfte spezialisierten Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre“, wonach die gegenüber dem Kreditinstitut abgegebenen Erklärungen zutreffend gewesen seien - und zwar, weil „die von der Staatsanwaltschaft gewählte Vorgehensweise hinsichtlich des vermeintlichen Liquiditätsbedarfs nicht tragfähig“ sei. Härter verweist zudem darauf, der Kreditgeber selbst habe „zu keinem Zeitpunkt den Vorwurf erhoben, er sei unvollständig oder gar unzutreffend informiert worden.“

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