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Vorteilhafte Verträge : Weshalb die Manager immer mehr Geld erhalten

Vergütung ist nicht nur ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage Bild: Dieter Rüchel

Die überproportional wachsenden Einkommen von Spitzenmanagern lassen sich nicht mit ihren Leistungen und den Kennziffern ihrer Unternehmen erklären. Das zeigt ein bisher unveröffentlichtes Gutachten im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums.

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          Die überproportional wachsenden Einkommen von Spitzenmanagern lassen sich nicht mit ihren Leistungen und den Kennziffern ihrer Unternehmen erklären. Das zeigt ein bisher unveröffentlichtes Gutachten im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums. „Vorstände von großen Aktiengesellschaften werden nicht nach Effizienzkriterien vergütet“, schreiben die Autoren von der Hochschule Pforzheim und dem Tübinger Institut für angewandte Wirtschaftsforschung. Bernd Noll, Jürgen Volkert, Niina Zuber verweisen auf neuere Untersuchungen zu den dreißig größten Aktiengesellschaften in Deutschland. Sie kämen zu dem Ergebnis, dass es keinen Zusammenhang zwischen Höhe der Vorstandsvergütung und Aktienperformance oder Rendite des Unternehmens gebe. Das Gehaltsplus hängt eher von der Größe des Vorstands, des Aufsichtsrats und des Unternehmens ab.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Es spricht manches dafür, dass der Managermarkt schon immer schlecht funktioniert hat“, urteilen die Wissenschaftler. Ein Vorstandmitglied der Deutschen Bank habe in den siebziger Jahren etwa das Dreißigfache eines durchschnittlichen Arbeitnehmers verdient. 1997 erhielten die Spitzenmanager das Fünfzigfache, 1998 bereits das Achtzigfache, 1999 das Zweihundertfache und im Jahr 2000 schließlich fast das Dreihundertfache. Eine ähnliche Entwicklung habe es auch bei anderen großen deutschen Aktiengesellschaften gegeben. In Amerika war es nicht anders: Im Jahre 1992 betrug demnach das Gehalt eines Chief Executive Officers das Zweiundachtzigfache, im Jahre 2003 das Vierhundertfache eines normalen Arbeitnehmers.

          Aufgeheizte Debatte bis in die Koalition

          In Deutschland haben zuletzt Millionen-Bonuszahlungen an Banker inmitten der Finanzkrise die Debatte um staatliche Grenzen für überzogene Managergehälter angeheizt. Nach langem Streit will die große Koalition in der nächsten Wochen darüber beraten. Eine Arbeitsgruppe hat angeregt, Aktienoptionen von jetzt mindestens zwei Jahre auf vier Jahre zu verlängern. Auch solle der gesamte Aufsichtsrat für die Managerverträge verantwortlich sein und nicht nur ein Unterausschuss. Die von der SPD geforderte Begrenzung der steuerlichen Abzugsmöglichkeit der Vorstandsgehälter stößt aber auf Widerstand in der Union.

          Einkommensteuer progressiv bis zur „ökonomischen Elite“

          Nach den Erkenntnissen der Autoren genießen Manager manche Vorteile wie den Besuch von VIP-Logen in Fußballarenen. Diese besteuere der Fiskus nachsichtig. Aber ansonsten deute nichts auf steuerliche Privilegien hin. Insgesamt sei die Einkommensteuer progressiv bis hin zur „ökonomischen Elite“. Nicht das Steuerrecht, sondern der Markt für Spitzenmanager ist nach den Erkenntnissen der Autoren besonders. Die Aussage, dass ihre Vergütung nur ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage ist, halten die Autoren für wenig wahrscheinlich. Die Gegenthese, dass Top-Manager ihre Verhandlungsposition ausnutzten, um für sich vorteilhafte Verträge auszuhandeln, erkläre nicht die jüngsten Gehaltsprünge. Dies leiste ein dritter Ansatz: Danach vergleichen Unternehmen ihre Gehaltsmuster mit anderen, so dass sich Gehaltssprünge fortpflanzen können. Transparenzvorschriften helfen in dem Fall nicht, vielmehr ist das Gegenteil zu erwarten, dies setzt die Spirale erst richtig in Gang.

          Der Blick auf die Herkunft des deutschen Spitzenpersonals zeigt nach der Studie, dass für die Toppositionen ein hoher Bildungsstand sowie Kontaktfreude, Durchsetzungsfähigkeit und Selbstvertrauen gefragt sind. Entstandene Netzwerke und Verhaltensmuster würden auf die nächste Generation vererbt und erleichterten den Zugang zu Spitzenpositionen. Frauen sind dort immer noch selten anzutreffen. Die Gründe sind nach dem Forschungsbericht vielfältig: Frauen fehlten die richtigen Verbindungen, es mangele an Vorbildern und Mentorinnen. Nicht zuletzt fühlten sich Frauen immer noch für die „Familienarbeit“ zuständig.

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