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Vorstandvorsitz gesucht : Commerzbank wartet auf den Chefwechsel

Die Commerzbank steht vor einem Chefwechsel. Bild: Reuters

Die Commerzbank steht vor einem einschneidenden Wandel – und vor einer neuen Führungsspitze. Die bisherigen Chefs treten ab, neue Köpfe rücken ins Rampenlicht. Wir stellen sie vor.

          4 Min.

          Nach den angekündigten Rücktritten des Vorstandsvorsitzenden und den Aufsichtsratsvorsitzenden steht die Commerzbank noch unter Schockstarre. Nach Informationen der F.A.Z. werden sich die Vorstandsmitglieder am Montag beraten. Aus ihren Reihen gelten Roland Boekhout und Bettina Orlopp als interne Kandidaten für den Vorstandsvorsitz. Entscheidungen vor der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch gelten als unwahrscheinlich.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat dringen nach Informationen der F.A.Z. darauf, dass auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch noch nicht über die künftige Strategie der Commerzbank entschieden wird. Unter der Federführung des höchstens bis Jahresende noch amtierenden Vorstandsvorsitzenden Martin Zielke wurden zuletzt Szenarien diskutiert, die einen Abbau von 7000 bis 11.000 der derzeit 40.000 Vollzeitstellen vorsehen. Dabei haben weder der Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Schmittmann, der sein Amt zum 3. August niederlegen will, noch Zielke einen Zweifel daran gelassen, dass die Commerzbank vor größeren Veränderungen steht. Auf die Schockstarre wird also Bewegung folgen müssen. Hier kommt ein Überblick auf die Personen, die dann in der Commerzbank ins Rampenlicht rücken, und auf die Personen, die die Bühne verlassen.

          Roland Boekhout: Der Unbelastete

          „Ach, Roland kommt nur als Firmenkundenvorstand und nicht als Vorstandsvorsitzender?“ So etwa fiel die Reaktion von Weggefährten aus, als sie im Juli 2019 von seinem Wechsel von der holländischen Bank ING zur Commerzbank hörten. Tatsächlich hat die Commerzbank mit RolandBoekhout einen hochkarätigen Fang gemacht. Und die Ahnung, dass er auch zum Vorstandsvorsitzenden taugt, könnte sich schneller als gedacht bestätigen. Denn der Ende dieses Monats 57 Jahre alt werdende Niederländer gilt als heißester interner Kandidat für den seit Freitagabend vakanten Vorstandsvorsitz.

          Roland Boekhout

          Was für ihn spricht: Boekhout hat mit der ING Diba von 2010 bis 2017 schon einmal eine sehr digitale Bank als Vorstandsvorsitzender geführt; er ist erst seit Januar im Commerzbank-Vorstand, hat also die fehlgeschlagenen Strategien der Vergangenheit nicht zu vertreten; und Boekhout wirkt wie ein Anführer, der mit seiner lässigen, fröhlichen Art Mitarbeiter begeistern kann. Fraglich ist allerdings, ob er auch die Aktionäre hinter sich vereinen kann. Als Vorstandsvorsitzender einer Tochtergesellschaft des ING-Konzerns hatte er mit dem Kapitalmarkt wenig zu tun. Strategisch hatte sich Boekhout fast diebisch darüber gefreut, dass die Direktbank ING Diba keine Filialen hat. Dann musste er sich, obwohl in Frankfurt inzwischen heimisch, ab 2017 um das ING-Filialnetz in Belgien kümmern. Nun könnte ihm in der Commerzbank wieder die unangenehme Aufgabe bevorstehen, Personal und Filialen zu straffen.

          Bettina Orlopp: Die Strategin

          Bettina Orlopp ist die erste Frau, die es im November 2017 in den Vorstand der Commerzbank geschafft hat. Anfangs für Recht und Regeltreue (Compliance) sowie Personal verantwortlich, sorgte die inzwischen 50 Jahre alte Betriebswirtin schnell dafür, dass die Bedenken der Aufsicht gegen die Commerzbank wegen mangelnder Geldwäschekontrollen verschwanden. Auch die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Personalabbaumaßnahmen in den Jahren 2018 und 2019 verliefen nach Ansicht vieler Arbeitnehmer konstruktiv.

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