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Amerikanische Unternehmen : Trump lieben oder hassen?

Uber-Chef auf den Barrikaden

Das hat dazu geführt, dass es schon seit geraumer Zeit eine gewisse Entfremdung zwischen der Unternehmenswelt und dem großen konservativ-evangelikalen Flügel der Republikaner gibt. „In Fragen der sozialen Werte sind die Meinungen immer weiter auseinandergedriftet“, sagt etwa Günther Heckelmann, Partner der deutsch-amerikanischen Kanzlei BakerMcKenzie, der schon seit Jahren zwischen Deutschland und Amerika pendelt. „Diese Unternehmen sind sehr stark der gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung verpflichtet, die von den Zielen der Antidiskriminierung, Gleichberechtigung und Förderung von Minderheiten geprägt ist“, sagt er. „Dem müssen und wollen sie auch gerecht werden.“

Dabei ist es eine ganz andere Frage, ob es sinnvoll ist, so wie der Uber-Chef Kalanick auf die Barrikaden zu gehen. Elon Musk hat einen anderen Weg gewählt. Der Vorstandschef des Elektroautoherstellers Tesla wurde von Trump ebenfalls als Berater angeworben und wurde damit, wie Kalanick, zur Zielscheibe von Kritikern. Manche twitterten sogar, sie würden Bestellungen von Tesla-Autos rückgängig machen. Aber Musk argumentiert, es sei besser, den Dialog zu suchen, weshalb er in dem Gremium blieb und zum Treffen am Freitag kam. Er versprach im Vorfeld, Trump mit seinen Einwänden gegen das Einreiseverbot zu konfrontieren, hat bislang aber nicht verraten, ob er das tatsächlich getan hat. Auf Twitter hielt sich Musk nach dem Treffen bedeckt: „Es wird weiter Fortschritt in der Frage geben“, verkündete er lapidar.

Justiz kann Trump in die Schranken weisen

Bleibt die zweite Frage, ob so viel Engagement der Unternehmen bei einem politischen Umsturz überhaupt wünschenswert ist. Fragt man Wirtschaftsethiker, reagieren die mit blanker Ablehnung, entweder weil sie es den Unternehmen nicht zutrauen oder weil diese Aufgaben andere Gruppen übernehmen sollten. „Wir dürfen von den Unternehmen kein Eintreten für Rechte um der Rechte willen erwarten. Das muss schon die Zivilgesellschaft leisten“, sagt etwa Ulrich Thielemann, Direktor der Denkfabrik für Wirtschaftsethik MeM. Er schiebt dann nach: „Man muss schon sehr marktgläubig sein, wenn man denkt, die Welt wird besser, wenn Unternehmen die Welt regieren. Denn darauf würde das hinauslaufen.“ Nils Ole Oermann, Ethik-Professor an der Universität Lüneburg hat ebenfalls kein echtes Vertrauen in das Demokratieverständnis der großen Technikkonzerne. „Für die sind Politiker Menschen mit schlecht sitzenden Anzügen und langsamen Computern“, sagt er. Ohnehin bestehe die Gefahr, dass sich die Konzerne überheben: „Silicon Valley wird schnell merken, dass Trump doch mächtiger ist als sie.“

Die einzige Kraft, die Trump bisher erfolgreich in die Schranken weisen konnte, ist die Justiz. Gleich mehrere Bundesgerichte befassten sich in Eilverfahren mit dem Einreisestopp und kamen zum gleichen Ergebnis: Diese Regierungsanweisung verstößt gegen die amerikanische Verfassung. Der umfassendste Schlag kam am Freitag von einem Gericht in Seattle: Der Richter hob den Einreisestopp vollständig auf. Trump will gegen das Urteil des „sogenannten Richters“ vorgehen, natürlich im Rechtswege. Für die Manager ist ihr Widerstand dagegen ungewohntes Terrain. Hier sind sie die Anfänger.

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