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Amerikanische Unternehmen : Trump lieben oder hassen?

Vertrautes Terrain für Trump

Am Einfluss der Unternehmen besteht jedenfalls kein Zweifel: Trump sucht selbst die Nähe zu Top-Managern, schließlich ist das für ihn vertrautes Terrain. Seit seiner Vereidigung vor etwas mehr als zwei Wochen hatte er bereits fünf Treffen mit Vorstandschefs, mal mit Managern aus verschiedenen Branchen der verarbeitenden Industrie, dann speziell für die Auto- oder die Pharmaindustrie. Es fällt auf, dass Trump zu den eher klassischen Industrien tendiert. Zum Silicon Valley scheint er ein gespaltenes Verhältnis zu haben, und das, obwohl es zu den Aushängeschildern der amerikanischen Wirtschaft gehört und obwohl die Technologiegiganten Apple, Alphabet (die Muttergesellschaft von Google) und Microsoft die wertvollsten Unternehmen der Welt sind. Sie generieren nicht nur Milliardengewinne, sondern mobilisieren auch die Massen. Was Mark Zuckerberg an seine knapp 1,9 Milliarden Facebook-Nutzer herausposaunt, hat Gewicht. Wenn sich Travis Kalanick entscheidet, Trumps Beratergremium zu verlassen, ist das eine Nachricht, die um die Welt geht. Aber Trumps Botschaft im Wahlkampf zielte auf die Wiederbelebung der traditionellen verarbeitenden Industrie und gerade nicht auf das Silicon Valley. Und es ist gewiss kein Zufall, dass Kalanick eine der wenigen Stimmen aus der Technologieszene in Trumps diversen Beratungsgremien war.

Massenproteste am Flughafen von San Francisco gegen Trumps kontroverses Einreiseverbot.

Aber ist es wirklich im Interesse der Unternehmen, sich einzumischen? Und ist das für die Gesellschaft wünschenswert? Lange Zeit galt, dass Unternehmen sich aus der Politik heraushalten sollten, und diese Meinung wird bis heute oft vertreten. Hartmut Kliemt, Professor für Philosophie und Ökonomik, bringt es in einem Interview mit der „Neuen Züricher Zeitung“ auf den Punkt: „Ethisch den sterbenden Schwan zu geben, befriedigt vielleicht die moralische Selbstgefälligkeit des Managers, wird aber der umfassenden ethischen Verantwortung der Firmenführung für die Aktionäre und Arbeitnehmer nicht gerecht.“

Die Welt hat sich gewandelt

Ganz anders sieht es Aaron Levie, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender des Technologieunternehmens Box aus dem Silicon Valley, der oft mit Trump-kritischen Äußerungen auf Twitter auffällt. Er hält es für einen „Mythos“, dass Manager sich aus politischen Angelegenheiten heraushalten sollen. Levie sagt, er habe selbst von Investoren Beifall dafür bekommen, dass er öffentlich Haltung zeigt.

Die Welt hat sich gewandelt. Noch immer verfolgen Unternehmen vor allem einen Zweck: gute Geschäfte machen, Rendite maximieren. Aber während es früher reichte, ein Produkt möglichst gewinnbringend zu verkaufen, ist die Rechnung heute komplizierter. Auch der Zeitgeist muss befriedigt werden. Wenn Unternehmen für Vielfalt und Weltoffenheit kämpfen, kann ihnen das Sympathien der tonangebenden Öffentlichkeit und damit auch Kundschaft bringen. Und die Kunden sind längst nicht die einzigen „Stakeholder“, denen es zu gefallen gilt: Gerade im Silicon Valley, wo der Kampf um qualifiziertes Personal so hart ist wie wohl nirgends sonst, ist es wichtig, ein Wertegerüst zu haben, mit dem sich die Belegschaft identifizieren kann. So dürfte es zu erklären sein, dass sich die Technologiebranche besonders für die Gleichberechtigung diverser Minderheiten engagiert – auch wenn sie in puncto Vielfalt ihre eigenen Defizite hat, zum Beispiel einen niedrigen Anteil von Frauen in ihren Belegschaften.

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